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Aufgrund der jüngsten zwei äußerst bedauerlichen Schmähereignisse in Malmö/Schweden und vor der Imam Ali Moschee in Hamburg, hat Hudjat-ul-Islam wal Muslimin Prof. Mofatteh, Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg, den zweiten tagesaktuellen Teil seiner Freitagsansprache in dieser Woche zum Anlass genommen, zu diesen Vorkommnissen Stellung zu beziehen.

Zum einen die geplante Entweihung des Heiligen Korans in Malmö und zum anderen die  Profanierung und Entweihung der heiligen Persönlichkeit des Propheten (F) und seiner Nachkommen (F) vor der Imam Ali Moschee in Hamburg stellen für Prof. Mofatteh abscheuliche und maßlose Handlungen dar.

In Malmö konnten die islamischen Zentren glücklicherweise durch eine gute Zusammen- arbeit mit der schwedischen Polizei und den Behörden Vorkehrungen treffen und das Äußerste, nämlich die geplante Verbrennung des Koran verhindern. Gegen weitere im Zuge dessen verhängte Auflagen seitens der Behörden wurde dennoch verstoßen. Schließlich wandten sich Hetze und Aufruhr gegen die Gefühle der Muslime, verletzten diese und bewirkten Unsicherheit und Unruhe in der Stadt.

Die schwedische Polizei erklärte, dass sie zeitweilig die Kontrolle über die Situation verloren hat und die Sicherheit in der Stadt nicht mehr gewährleisten konnte. Dieser Zustand zog sich über mehrere Tage hin.

Darüber hinaus sprach Prof. Mofatteh die Vorkommnisse in Hamburg vor der Imam Ali Moschee an. Auch diese stellen in ihrer gesamten Abscheulichkeit eine grenzenlose Profanierung und Entweihung des Heiligsten dar, nämlich der Persönlichkeit des Propheten Mohammad (F) und seiner geheiligten Nachkommen, den Ahl-ul-bayt (F).

Beide Ereignisse in ihrer traurigen zeitlichen Koinzidenz erforderten eine deutliche Positionierung und die Herausstellung einiger wichtiger Aspekte und Anmerkungen seinerseits.

Wir respektieren uneingeschränkt unterschiedliche Meinungen und Ansichten und begrüßen den friedlichen Dialog. Die Tätigkeiten dieses religiösen Zentrums basierten in den 60 Jahren seit seiner Gründung immer auf dem offenen  Meinungsaustausch und einem respektvollen, vernünftigen und weisen Dialog, sei es mit den Gläubigen anderer Religionen oder auch mit Gegenpositionen.

Immer wurde auch denen das Podium zur Verfügung gestellt, die nicht unsere Ansichten und Meinungen teilen.

2.

Seit einigen Jahren ist es zu einem gewohnten Bild geworden, dass es zu bestimmten religiösen Anlässen vor dem Islamischen Zentrum zu Kundgebungen kommt, in denen eine Art Opposition zum Ausdruck gebracht wird. Ein Teil derjenigen steht dem Zentrum allgemein ablehnend gegenüber und ein anderer Teil wiederum protestiert gegen Entwicklungen, die weder mittel- noch unmittelbar mit seiner Arbeit hier in Verbindung stehen. Das Zentrum und die Imam Ali Moschee haben in dieser Hinsicht nie Empfindlichkeiten gezeigt oder gar versucht, diese freien Meinungsäußerungen und Bekundungen in irgendeiner Weise zu verhindern. Im Gegenteil:  nicht selten wurden sogar einige von den Teilnehmern solcher Gegenkundgebungen am 03.Oktober, dem Tag der offenen Moschee, auf das Gelände der Moschee eingeladen, empfangen und bewirtet.

Ganz deutlich ist zu betonen, dass wir mit offener Kritik, mit gegensätzlicher Meinung oder Opposition immer umgehen konnten und können, denn wir folgen dem Prinzip Imam Alis, der bei der sogenannten historischen Schlacht des „Kamels“ (dschamal) aus den eigenen Reihen angegriffen und kritisiert wurde und zu seinen Gegnern befragt sagte: Sie sind unsere Brüder, die sich jetzt gegen uns gestellt haben. Dieser Haltung ist auch Maxime unseres Handelns.

Widerstand und Opposition, die rational und ethisch vorgehen, sind  für uns annehmbar.

Beleidigungen von Heiligtümern und Heiligen jedoch sind und bleiben ohne Umschweife nicht akzeptierbar.

Eine Person, die Heiligtümer beleidigt, setzt ein Zeichen dafür, dass sie ihre Meinung schwach und nicht im Rahmen der erforderlichen Vernunft, Logik und Ethik kundtut.

So weist im Gegenzug der Heilige Koran die Gläubigen ausdrücklich an, Götzen, Steine oder ähnliches, die von Polytheisten vielleicht verehrt werden, nicht zu beleidigen, auch wenn es aus unserer Position keinen logischen Grund gibt, diese anzubeten. Dennoch haben diese eine gewisse Heiligkeit für andere und diese gilt es zu respektieren. Auch wir fordern diesen Respekt selbstverständlich für unsere Heiligtümer ein.

Jede Religion, und folglich ihre Anhänger, hat ihre eigenen Heiligtümer und diese dürfen und sollen in keiner Weise geschmäht, herabgewürdigt oder beleidigt werden.

An dieser Stelle möchte ich wieder auf eine Begebenheit mit Imam Ali (F) verweisen.

Es wird berichtet, dass während der Schlacht von Siffin einige Gefährten des Fürst der Gläubigen (Amir al-Mu’minin) Imam Ali (F)  die Mitglieder der gegnerischen Armee beleidigten. Als diese Nachricht Imam Ali (F) erreichte, verlangte er nach ihnen. Nachdem er sie befragte verwehrte er ihnen, andere zu beleidigen.

So fragten diese ihn: „Sind wir denn nicht im Recht? Nachdem Imam Ali (F) dieses bejahte fragten sie ihn: „Sind sie denn nicht im Unrecht?“ und er bejahte dies wieder. So fragten sie ihn erneut: „Warum sagst du dann, wir sollten sie nicht beleidigen?“

Darauf erwiderte Imam Ali (F) : „Ich möchte nicht, dass ihr andere beleidigt. Wenn ihr anderen die Niedertracht dieser Menschen aufzeigen wollt, so erzählt und berichtet von ihren Eigenschaften und Handlungen, aber beleidigt sie nicht, auch nicht diejenigen, die euch gegenüber stehend ihre Schwerter gezückt haben.“

Er erläuterte sogar weiter, dass anstatt zu fluchen und zu beleidigen, man für ihre Rechtleitung beten sollte und dass Gott der Erhabene, diese Feindschaft auflösen möge.

Dies ist die Philosophie und die Logik des Imam Ali (F) und des Islam.

4.

Beleidigungen und Schmähungen von Heiligtümern provozieren die religiösen Gefühle der jeweiligen Religionsanhänger, so wie wir es in Malmö erlebt und gesehen haben.

Solche Handlungen gefährden die Sicherheit und das friedliche Zusammenleben in einer Stadt.

An dieser Stelle gilt es eben auch der Polizei und den Behörden sowohl in Hamburg als auch in anderen Städten für ihre Hilfsbereitschaft zu danken, indem sie in solchen Situationen Umsicht und Kontrolle zeigen und es nicht zulassen, dass es zu kritischen Eskalationen kommt. In diesem Zusammenhang haben wir der Polizei und den Behörden bereits mitgeteilt, dass es bei einer Widerholung ähnlicher Vorkommnisse wie in Malmö, eine Beruhigung und Kontrolle der Entwicklungen nicht von den islamischen Zentren gewährleistet werden kann.

Wie bereits in einer vorangegangenen Stellungnahme des Islamischen Zentrums Hamburg deutlich wird, haben wir alle Liebenden der Nachkommen des Propheten (F) dringlich gebeten und aufgefordert, gegenüber der  Beleidigungen und Schmähungen am 29.08.2020 vor dem Islamischen Zentrum Hamburg (neunten Tag des Muharram), Geduld und Ruhe zu bewahren und ihre Interessen auf dem Rechtsweg zu verfolgen.

Es sei erwähnt, dass wir, als wir die Ankündigung zur der besagten  Kundgebung erhielten und provokante Beleidigungen gegenüber der an dem Tag stattfindenden Trauerveranstaltung für möglich einordneten,  durch gewisse Programmänderungen und Zeitverschiebungen dafür gesorgt haben, dass es keine direkte Begegnungen und Konfrontation der unterschiedlichen Seiten vor oder im Zentrum geben konnte. Wir haben unsererseits alle Maßnahmen getroffen, um Konflikte zu vermeiden und sicherzustellen, dass die Sicherheit und der Frieden im Stadtteil und der Stadt Hamburg unangetastet bleibt. Beides sind Aspekte, die uns am Herzen liegen und um die wir stets bemüht sind und auch in Zukunft alles beitragen werden. Dank unserer präventiven Maßnahmen konnte einem Konflikt bisher vorgebeugt werden, denn wir alle möchten weiterhin in einer sicheren Stadt leben.

Abschließend bleibt unser dringender Appell an alle Verantwortlichen, Polizei und Behörden, dass sie zukünftig durch adäquate Verordnungen und  Massnahmen, eine solche bedauerliche Demonstration der Respektlosigkeit zu verhindern und niemand mehr Zeuge solcher unwürdiger Schmähungen und Herabsetzungen von Heiligen und Heiligtümern sein muss.

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