Freitagsgebet

Freitagsansprache von 2018

von Hojjatulislam Dr. Mohammad Hadi Mofatteh Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V.

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des
Allerbarmers

Aller
Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm
für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in
allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein
Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen
und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und
Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten

Die
mekkanischen und medinensischen Qur’an-Suren und -Verse

Die Suren und Verse aus dem heiligen Qur’an, die vor der
Auswanderung der Muslime nach Medina dem Gesandten Gottes offenbart wurden,
werden als mekkanische Suren und Verse bezeichnet, selbst wenn diese
Eingebungen außerhalb Mekkas, welches bis dahin das Zentrum muslimischen Lebens
bildete, erfolgt sind. Hingegen werden die Suren und Verse, die nach der
Auswanderung der Muslime nach Medina dem Propheten offenbart wurden, als
medinensische gekennzeichnet, selbst wenn die Offenbarungen außerhalb Medinas,
welches nach der Auswanderung das neue Zentrum für die Muslime darstellte,
vonstattengingen.

Der Prophet legte entsprechend seiner göttlichen Eingebung in
der Offenbarungszeit die Suren fest und ordnete die Anzahl der Verse einer
jeden Sura an und ohne jedwede Veränderung besteht diese Anordnung nach wie
fort. Die kleinste Sura Al-Kauthar besitzt drei Verse und die größte Sura
Al-Baqarah 286.

Die Benennung der einzelnen Suren erfolgte wie die Bestimmung
der Anzahl der Verse einer jeden Sura durch den Propheten im Lichte der
göttlichen Eingebung. Die meisten Suren sind im Besitz eines einzigen Namens,
jedoch finden sich auch Suren wieder, die mehrere Benennungen vorweisen. Die
Namen weisen mitunter auf den entsprechenden Inhalt der Sura hin.

Jede neue Sura wurde mit der Offenbarung von „Im Namen des
Gottes, des Gnädigen, des Begnadenden“ begonnen und die Verse wurden
entsprechend der Offenbarungsreihenfolge in ihnen festgehalten, bis es erneut
zu einer Offenbarung von „Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Begnadenden“ kam,
wodurch der Beginn einer neuen Sura eingeleitet wurde. Dies war der geregelte
Vorgang. Teilweise kam es jedoch auch vor, dass der barmherzige Prophet, der
Friede Gottes sei mit ihm und seiner Familie, im Lichte einer von Gabriel
überbrachten göttlichen Verfügung, diesen geregelten Ablauf aussetzte und einen
Vers in eine andere Sura platzierte. Als Beispiel kann der Vers „Und hütet euch
vor einem Tag, an dem ihr zu Gott zurückgebracht werdet. Dann wird jeder Seele
voll zurückerstattet, was sie erworben hat. Und ihnen wird nicht Unrecht getan“,
aufgeführt werden, der von der Reihenfolge her zu den letzten offenbarten
Versen zählt, doch auf Anordnung des Propheten als 281. Vers der zweiten Sura
Al-Baqarah gesetzt wurde. Die Festlegung und Anordnung der Verse einer jeden
Sura erfolgte somit im Lichte der göttlichen Eingebung durch den Propheten
selbst. Doch bezüglich der Anordnung der Suren bestehen unter den Fachexperten
Meinungsunterschiede. So vertreten zahlreiche Wissenschaftler wie Seyyed
Morteza Alamolhoda die Position, dass der heutige uns vorliegende Qur’an
derselbe ist, wie er schon zu Lebzeiten des Propheten existiert hat und dass
die Anordnung der Suren ebenso durch den Propheten erfolgte wie die Anordnung
der Verse.

Die Sammlung des Qur’an

Imam Ali, der Friede Gottes sei mit ihm, war die erste
Person, die sich nach dem Ableben des barmherzigen Propheten, der Friede Gottes
sei mit ihm und seiner Familie, mit der Sammlung des Qur’an beschäftigte. Auf
Grundlage der uns vorliegenden Überlieferungen verbrachte er sechs Monate
zuhause und widmete sich dieser Angelegenheit. Imam Ali, der Befehlshaber der
Gläubigen, äußerte hierzu: „Kein Vers wurde dem barmherzigen Propheten
offenbart, den er mir nicht vorgetragen und diktiert hätte. Ich hielt sie mit
meiner eigenen Schrift fest. Des Weiteren lehrte er mir ihre Exegese und
Deutung, die Abrogation sowie das Eindeutige und Mehrdeutige in den Versen und
betete für mich, auf dass Gott mich mit Erkenntnis und Merkfähigkeit begnaden
möge. Von dem Tag an habe ich keinen Vers vergessen und nichts von dem
verloren, worin er mich unterrichtete und welches ich verschriftlichte.“

Zahlreiche andere Gefährten sammelten ebenfalls Schriften,
jedoch unabhängig voneinander. Auch war die Qualität ihrer Sammlungen und ihre
jeweilige Fähigkeit dahingehend von unterschiedlicher Natur. Folglich
unterschieden sich ihre gesammelten Werke in ihrer Methodik, Reihenfolge und
Ordnung oder Lesart voneinander. Die verschiedenen Versionen sorgten für den
Unmut der Menschen. Wenn sie sich zu Anlässen versammelten, stritten sie sich
darüber, welche Version nun die korrekte sei und verurteilten dabei diejenigen,
die eine andere Auffassung als die ihrige hierüber vertraten.

So wurde eine Person namens Hudhayfah bin Yaman im Zuge einer
Schlacht um Armenien Zeuge eines Zwists unter Muslimen, die über die
Authentizität einer Qur’an-Version stritten. Als er vom Krieg zurückkehrte, war
er über den Streit unter den Menschen bekümmert und beratschlagte sich mit
jenen Gefährten des barmherzigen Propheten, die in der Stadt Kufa weilten, um
eine Lösung für dieses Problem zu erarbeiten. Hudhayfah vertrat die Position,
dass der Kalif Uthman dazu bewogen werden sollte eine Vereinheitlichung der im
Umlauf befindlichen Qur’an-Versionen herbeizuführen und eine einheitliche
Lesart durchzusetzen. Dieser Meinung schlossen sich alle anwesenden Gefährten
bis auf Abdullah bin Mas’ud an. In diesem Sinne eilte Hudayfha eiligen
Schrittes nach Medina, um Uthman dazu zu bewegen diesen Konflikt in der
Gemeinschaft Muhammads zu beenden, ehe er sich vollends ausweitet.

Hudhayfah sprach zu Uthman: „O Kalif der Muslime, ich muss
geradeheraus äußern, dass du diese Gemeinschaft davor bewahren musst in
denselben Konflikt zu geraten, in den vor ihnen bereits die Juden und Christen
geraten sind.“ Uthman fragte daraufhin, worum es geht, woraufhin Hudhayfah
fortführte: „Ich nahm an der Schlacht um Armenien teil. Dort verlasen die
Menschen den Qur’an in der Lesart von Ubay bin Ka’b, wohingegen die Anwohner im
Irak der Lesart von Ibn Mas’ud folgten. Dabei bezichtigte jede Gemeinde die
andere der Blasphemie.“

Uthman versammelte daraufhin diejenigen Gefährten vom
Propheten, die in Medina ansässig waren, und beratschlagte sich mit ihnen in
dieser Thematik. Sie stimmten darin überein um jeden Preis für eine
Vereinheitlichung der kursierenden Versionen zu sorgen. In einem ersten Schritt
lud er in einer öffentlichen Botschaft die Gefährten des Propheten zur
Zusammenarbeit in dieser Hinsicht ein. Er erkor vier seiner Vertrauten für
diese Arbeit aus:

1.   
Zayd bin Thabit

2.   
Saeed bin As

3.   
Abdullah bin Zubayr

4.   
Abdulrahman bin Harith bin Hischam, der aus dem Stamm der
Quraysch kam.

Diese vier Personen gehörten zu den ersten Mitgliedern des
Komitees zur Vereinheitlichung der sich im Umlauf befindlichen Versionen vom
Qur’an. Das Komitee wurde von Zayd bin Thabit geleitet und Uthman stand diesem Komitee
vor, doch ihnen misslang diese Aufgabe erfolgreich auf einen grünen Zweig zu
bringen. Deshalb nahmen sie die Hilfe von Ubay bin Ka’b, Malik bin Abi Amer,
Kathir bin Aflah, Anas bin Malik, Abdullah bin Abbas, Mas’ab bin Sa’d, Abdullah
bin Fatimeh sowie fünf weiteren Personen in Anspruch, sodass sich ein
zwölf-köpfiges Gremium bildete, dem Ubay bin Ka’b vorstand. Die Verse wurden
von ihm diktiert und seitens der anderen niedergeschrieben.

Dieses Programm fand die Zustimmung vom Befehlshaber der
Gläubigen, Imam Ali, der Friede Gottes sei mit ihm, vor. Ibn Abi Davud
überliefert von Suwayd bin Ghaflah, dass Imam Ali sprach: „Bei Gott, Uthman hat
hinsichtlich der Zusammenstellungen des heiligen Qur’an keine Aktion
vollzogen, die er mit uns nicht absprach. Über die Lesarten beratschlagte er
sich mit uns und als ich nach seiner Meinung hierüber fragte, äußerte er, dass
nur eine Zusammenstellung für die Menschen ausgegeben werden sollte, damit sie
keine Konflikte mehr in dieser Hinsicht miteinander haben. Ich bestätigte seine
Meinung.“

Einst verlas jemand in Gegenwart Imam Sadiqs eine Stelle des
heiligen Qur’ans in einer unüblichen Lesart, woraufhin der Imam zu ihm sprach:
„Verlese diese Art der Rezitation in Zukunft nicht mehr und rezitiere so, wie
auch alle anderen rezitieren.“

Dementsprechend lautet der Konsens unter den Gelehrten der
Muslime, dass der uns heute vorliegende Qur’an ohne jedwede Abänderung und
Verfälschung eben jener ursprüngliche und vollständige Qur’an ist, wie er in
der Frühzeit des Islam unter den Muslimen verbreitet war.

 

 

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