Freitagsansprache von 04.12.2015

von Ayatollah
Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V.

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des
Allerbarmers

Aller
Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm
für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in
allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein
Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen
und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und
Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Wenn
der Mensch sich darum bemüht, die Vollkommenheit erlangen, und an die Ewigkeit
glaubt, und versucht, den richtigen Weg des Lebens zu lernen, sollte er den
richtigen Weg beschreiten und dies auch mit einer vollständigen Erkenntnis. Und
zur Erlangung einer vollständigen Erkenntnis und des richtigen Weges sollte man
Menschen aufsuchen, welche der Offenbarung nahe stehen und eine tiefgründige
Erkenntnis besitzen. Man sollte nämlich von ihrem Wissen Gebrauch machen, um
mit großer Bemühung und Aufwand eine ausreichende Basis und Grundlage errichten
zu können. Und es ist offensichtlich, dass die primitivste Erkenntnisstufe
darin liegt, dass der Mensch die Rechte seiner einzelnen Körperteile und die Glieder
und Triebe wahrhaftig und ausreichend kennt und diese Rechte auch einhält.

 

Das
Recht des Magens

Zu
den Rechten der einzelnen Körperteile des Menschen zählt unter anderem das
Recht des Magens. In Bezug auf die Definition dieses Rechtes äußert Imam Sajad
A.S. folgendes: Der allmächtige Gott hat den Magen des Menschen eines Gefäßes
gleich erschaffen; man sollte daher eine für dieses Gefäß geeignete Nahrung
wählen. Eine Übertreibung bei der Nahrungsaufnahme sowie ein Mangel bei der
Nahrungsaufnahme ist also nicht erlaubt. In Bezug auf das Recht des Magens
offenbart er nämlich folgendes:

„وَ أَمَّا حَقُ‏ بَطْنِكَ‏ فَأَنْ لَا تَجْعَلَهُ وِعَاءً لِقَلِيلٍ
مِنَ الْحَرَامِ وَ لَا لِكَثِيرٍ وَ أَنْ تَقْتَصِدَ لَهُ فِي الْحَلَالِ وَ لَا
تُخْرِجَهُ مِنْ حَدِّ التَّقْوِيَةِ إِلَى حَدِّ التَّهْوِينِ وَ ذَهَابِ
الْمُرُوَّةِ وَ ضَبْطُهُ إِذَا هَمَّ بِالْجُوعِ وَ الظَّمَإ، فَإِنَّ الشِّبَعَ
الْمُنْتَهِيَ بِصَاحِبِهِ إِلَى التُّخَمِ مَكْسَلَةٌ وَ مَثْبَطَةٌ وَ
مَقْطَعَةٌ عَنْ كُلِّ بِرٍّ وَ كَرَمٍ وَ إِنَّ الرَّيَّ الْمُنْتَهِيَ
بِصَاحِبِهِ إِلَى السُّكْرِ مَسْخَفَةٌ وَ مَجْهَلَةٌ وَ مَذْهَبَةٌ لِلْمُرُوَّة“

„Das
Recht des Magens liegt darin, dass du es nicht zu einem Gefäß für
islamrechtliche verbotene obgleich viel oder wenig Dinge einsetzt; und auch
islamrechtlich erlaubte Nahrung sollte in Maßen eingenommen werden; man sollte
das Maß von der Kräftigung des Körpers nicht zur Essgier führen; und wenn du
das Gefühl von Hunger oder Durst verspürst, so denke an mich! Eine übermäßige
Nahrungsaufnahme führt zu Faulheit und Trägheit, sodass der Mensch schließlich
von guten Taten abgehalten wird. Und jedes Getränk, welches einem Menschen die
Sinne raubt und zur Trunkenheit führt, besitzt als Konsequenz die Ignoranz, die
Unwissenheit und die Mitleidlosigkeit.“[1]

Im
Rahmen der Interpretation dieser Aussagen sollte man darauf hinweisen, dass es
offensichtlich ist, dass jeder Mensch aufgrund der unterschiedlichen Sinne
zahlreiche Bedürfnisse besitzt. Diese Bedürfnisse reichen von materiellen
Bedürfnissen bis hin zu geistigen und psychischen Bedürfnissen und jedes
einzelne dieser Bedürfnisse sollte auch mit einer darauf angepassten Nahrung gestillt
werden. Aus diesem Grund stellt in Bezug auf die materiellen Bedürfnisse und
dessen Stillung kein Mensch, auch nicht der edelmütige Prophet S.A.S. , eine
Ausnahme dar.

Der
allmächtige Gott offenbart im heiligen Koran nämlich folgendes:                                   “ وَ ما جَعَلْناهُمْ جَسَداً لا يَأْكُلُونَ
الطَّعامَ وَ ما كانُوا خالِدينَ “ „Wir machten sie die
Propheten nicht zu Körpern, die keine Speise essen, und sie waren nicht
unsterblich.“ Al- Anbiya | 21: 8 .

Nichtsdestotrotz
lag eine der Beschwerden seitens der Verleumder der Prophetie darin, dass ein
Prophet weder Nahrung zu sich nehmen sollte, noch den Basar beschreiten sollte:

“ وَ قالُوا ما لِهذَا الرَّسُولِ يَأْكُلُ
الطَّعامَ وَ يَمْشي‏ فِي الْأَسْواقِ لَوْ لا أُنْزِلَ إِلَيْهِ مَلَكٌ فَيَكُونَ
مَعَهُ نَذيرا “ „Und sie sagen: „Was ist
mit diesem Gesandten, dass er Speise isst und auf den Märkten umhergeht?! Er
verfolgt weder die Tradition der Engel noch die Methode der Könige! O würde
doch zu ihm ein Engel herabgesandt, um mit ihm ein Warner zu sein und den
Beweis dafür zu liefern, dass er der auserwählte ist ?!“ Al- Furqan | 25:
7 . Es ist aber wichtig, dass man sowohl die Art als auch die Menge der Nahrung
beachtet; mit anderen Worten ist nicht jede Nahrung für den menschlichen Körper
geeignet. Wenn der Mensch nämlich auf der Suche nach der Entwicklung und
Vollkommenheit ist, sollte er auch seine Lebensmittel zu sich nehmen. Und die
Menge dieser Nahrung sollte auch nur die für ihn erforderliche Menge umfassen.

 

Die
negativen materiellen und spirituellen Konsequenzen bei mangelnder Einhaltung
der Rechte des Magens

Eine
Übertreibung bei der Aufnahme von Speisen und Getränken schadet nicht nur dem
menschlichen Körper, sondern besitzt auch weitere negative Konsequenzen und
Schäden! Zu diesen negativen Konsequenzen zählen beispielsweise Müdigkeit und
Trägheit und ähnliches. Wenn die Speise dann auch nicht rein und islamrechtlich
erlaubt und sauber ist, so führt sie außerdem zu negativen geistigen und
psychischen Konsequenzen für den Menschen.

Aus
diesem Grund besteht seine Exzellenz, Imam Sajad A.S. , darauf, dass die
Rechte des Magens erkannt und auch eingehalten werden sollten. In diesem
Zusammenhang äußert er folgendes: „Der Mensch darf nicht so viel Nahrung
zu sich nehmen, das es zu Faulheit und Trägheit führt. Und bei der Wahl der
Getränke sollte der Mensch auch nicht jedes Getränk zu sich nehmen, da einige
dieser Getränke zur Trunkenheit des Menschen führen können und die Ignoranz und
Unwissenheit und Mitleidlosigkeit als Konsequenz mit sich führen.“ Die
mangelnde Einhaltung und Beachtung der Rechte des Magens führen für den
Menschen also zu zahlreichen körperlichen und geistigen und psychischen
Krankheiten.

 

Die
Rechte des Magens aus der Sicht der Koranverse und der Überlieferungen

Der
allmächtige Gott erachtet das Prinzip der Aufnahme und des Verzehrs von Speisen
und Getränken als eine Erforderlichkeit und Notwendigkeit; eine Übertreibung
und Verschwendung von Speisen und Getränken verbietet er jedoch und offenbart
in diesem Zusammenhang folgendes: “
وَ كُلُوا وَ اشْرَبُوا وَ لا تُسْرِفُوا إِنَّهُ لا يُحِبُّ
الْمُسْرِفين “ „[…] und esst und trinkt
von den göttlichen Segen , aber seid nicht maßlos! Er Allah liebt nicht die
Maßlosen.“ Al- A raf | 7: 31 .

Dieser
Koranvers zählt zu den besten hygienischen Geboten und umfasst gleichzeitig
dieselben Ergebnisse wie die Untersuchung heutiger Wissenschaftler, und zwar
dass der Magen das Zentrum und die Stätte aller Krankheiten darstellt und die
Sparsamkeit beim Essen das höchste und beste aller Medikamente bildet, und dass
man dem Körper keinesfalls Dinge verwehren sollte, an die er sich bereits
gewöhnt hat.

Und
außerdem äußert der edelmütige Prophet S.A.S. in diesem Zusammenhang
folgendes: “ وَ
أَعْلَمُ أَنَّ الْمَعِدَةَ بَيْتُ الدَّاءِ وَ الْحِمْيَةَ هِيَ الدَّوَاء وَ
أُعَوِّدُ الْبَدَنَ مَا اعْتَاد „[2]  Und in der heiligen Rede seiner Exzellenz,
Imam Ali A.S. , wird folgende Aussage überliefert:            “
قِلَّةُ الْأَكْلِ‏ تَمْنَعُ كَثِيراً مِنْ أَعْلَالِ الْجِسْمِ
“ „Eine Mäßigung beim Verzehr von Speisen bewahrt den menschlichen
Körper vor vielen körperlichen Krankheiten.“[3]

Und
an einer anderen Stelle äußert er folgendes: “
كَثْرَةُ الْأَكْلِ‏ وَ النَّوْمِ‏ تُفْسِدَانِ النَّفْسَ وَ
یَجْلِبَانِ الْمَضَرَّة “ „Eine Maßlosigkeit und
Übertreibung in Bezug auf Speisen und Schlaf schwächt das Wesen des Menschen
und verleitet zur Irreführung und führt zu zahlreichen Schäden für den
menschlichen Körper.“[4] Und der edelmütige Prophet
S.A.S. äußert in diesem Zusammenhang folgendes:

“ لَا تُمِيتُوا الْقُلُوبَ‏ بِكَثْرَةِ
الطَّعَامِ وَ الشَّرَابِ فَإِنَّ الْقُلُوبَ تَمُوتُ كَالزُّرُوعِ إِذَا كَثُرَ
عَلَيْهِ الْمَاء “ „Vernichtet nicht euren Bauch
durch Maßlosigkeit und Übertreibung im Verzehr von Speisen und Getränken; sonst
stirbt der Bauch nämlich; ebenso wie die Saat bei einem Überschuss an Wasser
verdirbt.“[5]
In Bezug auf die Vermeidung von islamrechtlich verbotenen Speisen und dessen
Verzehr hat der edelmütige Prophet S.A.S. auf Grundlage der Lehren des
heiligen Koran zahlreiche Empfehlungen und Vorgaben geäußert.

Unter
anderem zählt folgende Empfehlung zu seinen Äußerungen:                                    “
مَنْ‏ أَكَلَ‏ لُقْمَةَ حَرَامٍ‏ لَمْ تُقْبَلْ لَهُ صَلَاةٌ
أَرْبَعِينَ لَيْلَةً وَ لَمْ تُسْتَجَبْ لَهُ دَعْوَةٌ أَرْبَعِينَ صَبَاحاً وَ
كُلُّ لَحْمٍ يُنْبِتُهُ الْحَرَامُ فَالنَّارُ أَوْلَى‏بِهِ
“ „Wenn eine Person einen Bissen von einer islamrechtlich verbotenen
Speise zu sich nimmt, so werden seine Gebete 40 Nächte lang nicht akzeptiert
und seine Wünsche und Bitten aus seinen Gebeten werden 40 Tage lang nicht erhört
und falls diese Person islamrechtlich verbotenes Fleisch zu sich nimmt, so
verdient sie das Feuer des Jenseits.“[6] Und an einer anderen
Stelle äußert der edelmütige Prophet S.A.S. in Bezug auf die wesentlichen
Folgen islamrechtlich erlaubter Speisen folgendes:

“ مَن أَكَلَ الحَلالَ أربَعينَ يوماً نَوَّرَ
اللَّهُ قَلبَه، وَ أَجرَى يَنابِيعُ الحِكمَةِ مِن قَلبِه عَلى لِسانِه
“ „Diejenige Person, die 40 Tage lang islamrechtlich erlaubte Speisen
zu sich nimmt und beständig bleibt, erlangt die Erleuchtung seines Herzens
seitens des allmächtigen Gottes; außerdem segnet der allmächtige Gott die Zunge
dieses Menschen durch sein Herz mit Weisheit“[7]

Die
Beharrung auf Mäßigkeit in Bezug auf Speisen besteht aufgrund deren Vorzüge und
Vorteile im Diesseits und im Jenseits. Und für diejenigen Menschen, welche
gläubig und fromm sind, ist es von Bedeutung, diese Vorgaben und Gebote zur
Erlangung der Gesundheit zu befolgen. Die Einhaltung dieser Gebote und Vorgaben
führt außerdem zur Reinheit des Geistes und der Psyche und beeinflusst diese
auch positiv.



[1] Ibn Shobeh
Harani, Hassan Ibn Ali. Tohaf Aloghool. S.258. Qom. Jame’eh
Modaresin. 2. Auflage. 1363 islamisch-arabische Zeitrechnung. “ تحف العقول „

[2] Ibn Babouyeh, Mohammad
Ibn Ali. Alkhesal. Bd. 2. S. 512. Hadith 3. Jame eh Modaresin. 1. Auflage. 1362
islamisch-arabische Zeitrechnung. “ الخصال „

[3] Tamimi Amodi, Abdolvahed Ibn Mohammad. Ghorar Alhekam va Dorar Alkelam.
S. 500.
Hadith 56.
Qom. Dar Alketab Aleslami. 2. Auflage. 1410 islamisch-arabische Zeitrechnung.
“ غرر الحكم و درر الكلم „

[4] Tamimi Amodi, Abdolvahed Ibn Mohammad. Ghorar Alhekam va Dorar
Alkelam. S. 526. Hadith 37. Qom. Dar Alketab Aleslami. 2. Auflage. 1410 islamisch-arabische
Zeitrechnung. “ غرر الحكم و درر الكلم „

[5] Tabarsi, Hassan Ibn
Fazl. Makarem Alakhlagh. S. 150. Qom. Sharif Reza Verlag. 4. Auflage. 1370
islamisch-arabische Zeitrechnung. “ مكارم الأخلاق „

[6] Majlesi,
Mohammad Bagher. Baharolanvar. Bd. 63. S. 314. Hadith 7. Beyrut. Dar Ahya Altoras
Alarabi. 2. Auflage. 1403 islamisch-arabische Zeitrechnung. “ بحار الأنوار „

[7] Alfeyz
Alkashani. Almahjat Albeyza Fi Tahzib Alahya. Bd. 3. S. 204. Überarbeitung von Ali Akbar
Ghafari. Qom. Islamischer Verlag. 2. Auflage. O.J. “ المحجة البيضاء في تهذيب
الأحياء „

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