Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 97907
Datum der Veröffentlichung : 4/15/2016 3:20:19 PM
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Die Islamkunde 173, der Islam und ethische Rechte 18


Freitagsansprache von 01.04.2016

von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V.

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Hinsichtlich auf die vielen Punkte, die Imam Sajjad (Friede sei auf Ihn) zum Thema „Rechte des Lehrers“ genannt hat und dies vor allem mit der Selbsterziehung des Menschen in Verbindung gebracht hat, wollen wir uns im Weiteren, mehr mit dieser Thematik beschäftigen.

Der allererste Erzieher und Lehrer

Es ist verständlich, dass die Bedeutung der Rolle eines Lehrers sich insoweit zeigt, da er das wichtigste Element eines Menschen, nämlich das Herz und den Verstand, erzieht und dieser, einen bestimmten Lebensweg leitet. Daher ist es deshalb auch sehr wichtig, dass man ihm und seinen Lebensweisen genau zuhört und wie Imam Sajjad (Friede sei auf Ihn) besagt, dass der Mensch als Zuhörer, die Rede sozusagen „anbetet“ (welche wie folgt im Weiteren erklärt wird): „Derjenige der sein Ohr zu logischen Reden gewidmet hat, so betet er ihn selbst (Redner) an. Und wenn der Redner von Gott geschickt wurde und spirituelle Gespräche führt, so betet der Zuhörer Gott an. Und wenn der Redner, vom Teufel gesprochene Reden, schildert, so betet der Zuhörer den Teufel an.“[1]

Deswegen sollte sich der Mensch, wenn er den richtigen Weg erreichen will, zum Gleis „des Wissen und der Bildung“ begeben. Das wahre Kapital des Menschen ist nur dieses Wissen und die Erkenntnis, welche immer bei ihm bleiben und sich niemals trennen wird. Natürlich ist diese Aussage auch nur zu bekräftigen, wenn das Wissen im „Fleisch und Blut“ des Menschen übergegangen ist und sich dort „eingenistet hat“, denn andernfalls wird genau dieses angeeignete Wissen schnell wieder verschwinden. Aus diesem Grund, sollte der Mensch insoweit mit seinem Wissen umgehen, damit dieser als Helfer und nicht als Last, dienen kann. Denn daher muss man herausfinden, wer man ist? Wie sollte ich leben? Warum bin ich aus zwei Elementen erschaffen (Körper und Geist)? Und wie sollte ich mit denen umgehen, wie soll ich diese erziehen?

Daher ist es auch eine religiöse Lehre, dass man das lernen sollte, was man nicht kennt oder wovon man nicht Bescheid weiß, und dieses sollte man von weisen und gebildeten Menschen gelehrt bekommen: „Das was du nicht kennst, sollst du von weisen und gebildeten Menschen erfragen.“[2] In einer Überlieferung vom Propheten (Friede sei auf Ihn und seine Familie) wurde gesagt: „Fragt nach bei den Wissenschaftlern und Gebildeten, spreche mit Klugen und Weisen, und sei Gefährte mit den Armen.“[3] Imam Ali (Friede sei auf Ihn) schrieb zu Malik Ashtar in einem Brief (als Lehre, wie man als islamisches Oberhaupt regieren sollte): „Oh Malik, nutze es bei Wissenden und Gebildeten zu sein und mit weisen Menschen zu sprechen, denn dies führt dazu, dass du einen der größten Nutzen zur Sichersetzung von Regierungsdingen und Erhaltung wichtigen Ämterwesen erhältst, welche vor dir, von den Menschen vollbracht wurden.“[4] Dementsprechend sollte der Mensch daher einen bestimmten Lehrer auswählen und somit seine Zeit und seine Seele ihm voll und ganz hingeben, sodass man sicher sein kann, dass man wirklich davon Vorteile ziehen kann. Hierzu besagt Imam Baghir (Friede sei auf Ihn) auf den Koranvers: „ Denn der Mensch muss auf sein Essen hinblicken.“[5]à „Zaid Shaham befragte Imam Baghir (Friede sei auf Ihn) über diesen Koranvers und Imam Baghir (Friede sei auf Ihn) antwortete: Hiermit ist das „Wissen“ gemeint, von wem und von welchem Lehrer es angeeignet wurde.“[6] Jedoch ist zu sagen, dass der Autor vom Tafsir Safi, die „Nahrung“ in zwei Teile getrennt hat: Körperlich und seelisch. Und dadurch, dass der Mensch aus zwei Teile wie Körper und Seele besteht, benötigt er auch dementsprechend auch körperliche und seelische Nahrung. Nun stellt sich doch noch die Frage, wie man spiritueller Nahrung erhält und wie das Wissen als Offenbarung herabgesandt wurde? Und wie und durch wen sollte dieses Wissen erhalten werden?[7]

Die Achtung der Rechte eines Lehrers

In Bezug auf das Respektieren der Lehrerrechte, ist es angebracht, eine Geschichte vom Propheten Musa (Friede sei auf Ihn) und Khidhr (Friede sei auf Ihn) im Koran aufzuführen, welche in der Sura Kahf ist, damit es deutlicher wird, wie hoch die Stellung eines Lehrers eigentlich ist. Der Prophet Musa (Friede sei auf Ihn) war der Gefolge vom Propheten Khidhr (Friede sei auf Ihn) und somit ein Schüler seines Lehrers Khidhr (Friede sei auf Ihn). Daraufhin wird verdeutlicht, wie bescheiden und demütig sich der Prophet Musa (Friede sei auf Ihn) vor seinem Lehrer zeigte, obwohl seine Stellung sehr hoch war. Seine moralisch positive Art und Weise, wie man Fragen zu seinem Lehrer stellt und die Reaktionsaufnahme seinerseits auf die Antworten seines Lehrers  wird dort stark verdeutlicht und wiedergegeben, sodass im Endeffekt sein Ziel zur Vollkommenheitserlangung als Mensch, erreicht werden kann. Diese Geschichte macht im Prinzip bewusst, wie notwendig es ist, dass ein Schüler moralisch auf dem höchsten Stand, in Bezug auf seinen Lehrer, sein soll. Imam Sadigh (Friede sei auf Ihn) überliefert von Imam Ali (Friede sei auf Ihn): Die Rechte eines Lehrers sind, dass man ihn nicht zu viel ausfragt, und wenn viele bei ihm danebensitzen, alle erstmals zu begrüßen, und nicht hinter dem Lehrer zu sitzen (da es unhöflich ist), mit Augenblinzeln (Augenmerkmale) nicht vor ihm zu zeigen, sodass damit gegen die Aussage des Lehrers wiedergespiegelt wird. Man soll nicht zu lange bei ihm bleiben, sodass er müde und geschwächt wird. Der Wissenschaftler ist wie ein Baum der Früchte trägt, man muss so lange warten, bis selber die Frucht vom Baum fällt, genauso ist es auch, dass man auf dem Mund der Lehrers achtet, bis die Früchte des Wissens von ihm zu dem Schüler hinübergelangt.“[8]

Hinsichtlich dieser Thematik, ist es auch gut, die Sichtweise von Ghazali zu erwähnen. Er besagt: Der Mensch überschreitet vier Stadien, wenn er Wissen aufnehmen will, genauso wie derjenige, der nach Vermögen und Besitz gelangen will. Diese sind die Stadien, um wohlhabend zu werden: 1. Anhäufen und Erwerb von Eigentum, 2. Zurücklegen und Sparen, 3. Vom eigenem Besitz Gewinn zu machen, 4. Spenden und Stiften zu anderen, und in Prinzip Gewinn von diesen Spenden zu erhalten. Dieses letzte Stadium, ist der beste Kapitalzustand eines Händlers, da man ihn dadurch als sehr gnädig und großzügig wiedererkennen lässt. Der Wissende ist genauso: Erstens ist der Zustand, dass man Wissen erwirbt und sammelt, sodass man auch sich wie ein Händler mit seinem Kapital verhält. Zweitens ist, dass man die Wissensthemen speichert und beibehält, sodass man sie nicht wieder leicht vergessen kann. Drittens ist, dass man durch dieses Wissen lernt wie man es richtig nutzt und dadurch auch Gewinne erzielen kann. Viertens ist, dass „Schenken“ und Weitergeben des eigenen Wissens zu anderen (Weiterlehren), sodass dieser letzte Zustand, der wichtigste ist, damit die Gesellschaft nicht zur Grunde geht.“[9]

Wenn somit die Wissenschaftler ihre Verantwortung ernst nehmen würden, und die Gesellschaft zu einer mit dem Schwerpunkt Wissen, Verstand, Erkenntnis, Logik umgestalten könnten, sodass dort wieder die Schüler dieser Gesellschaftsumstellung, von Unkenntnis zur Kenntnis, als Erbe weiterverbreiten, könnte man dadurch viele Probleme auf der Welt lösen. Eines davon ist, dass der unwissende Mensch zum Wissenden wird und aus seiner Finsternis der Unwissenheit herauskommt.



[1] Kulaini, Muhammad ibn Yaghub, al-Kafi, Band 6, Seite 434, Hadith 24, Teheran, Dar al-Kitab al-Islamiyya, Vierte Auflage, Jahr 1407 (Mondjahr).

[2] Sura An-Nahl, Vers 43 und Sura Sura Al-Anbia, Vers 7.

[3] Ibn Ashath, Muhammad ibn Muhammad, Al-Jufariat (Al-Ashathiat), Seite 230, Teheran, Maktabia an-Naynawiyy al-Haditha, Erste Auflage, ohne Datum. Und Shahid ath-Thani, Zain ad-Din ibn Ali, Munia al-Murid, Seite 125, Qum, Maktib al-Ilam al-Islamiyy, Erste Auflage, Jahr 1409 (Monajahr). Und im „Jalis al-Kibria“ ist „Badal“ (in der arabischen Grammatik) von „Jalisu al-Fughara“.

[4] Nahj al-Balagha, Brief 53.

[5] Sura Abas, Vers 24.

[6] Kulaini, Muhammad ibn Yaghub, al-Kulaini, Band 1, Seite 50, Hadith 8.

[7] Feidh Kashani, Muhammad ibn Shah Murtadha, Tafsir as-Safi, Band 5, Seite 287, Teheran, Maktaba as-Sadr, Zweite Auflage, Jahr 1415 (Mondjahr).

[8] Kulaini, Muhammad ibn Yaghub, al-Kafi, Band 1, Seite 37, Hadith 1.

[9] Al-Ghazali, Abu Hamid Muhammad, Ihya Ulum ad-Din, Band 1, Seite 93, Beirut, Dar al-Kitab al-Arabiyy, ohne Datum.



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