Islamisches Zentrum Hamburg
Delicious facebook RSS An einen Freund senden drucken speichern XML-Ausgabe HTML-Ausgabe Output PDF
Nachrichten Code : 97007
Datum der Veröffentlichung : 4/2/2016 6:09:58 PM
Aufrufe : 115

Islamkunde 164 _ Islam und moralische Rechte 9


Freitagsansprache von 04.12.2015

von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V.

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Wenn der Mensch sich darum bemüht, die Vollkommenheit erlangen, und an die Ewigkeit glaubt, und versucht, den richtigen Weg des Lebens zu lernen, sollte er den richtigen Weg beschreiten und dies auch mit einer vollständigen Erkenntnis. Und zur Erlangung einer vollständigen Erkenntnis und des richtigen Weges sollte man Menschen aufsuchen, welche der Offenbarung nahe stehen und eine tiefgründige Erkenntnis besitzen. Man sollte nämlich von ihrem Wissen Gebrauch machen, um mit großer Bemühung und Aufwand eine ausreichende Basis und Grundlage errichten zu können. Und es ist offensichtlich, dass die primitivste Erkenntnisstufe darin liegt, dass der Mensch die Rechte seiner einzelnen Körperteile und die Glieder und Triebe wahrhaftig und ausreichend kennt und diese Rechte auch einhält.

 

Das Recht des Magens

Zu den Rechten der einzelnen Körperteile des Menschen zählt unter anderem das Recht des Magens. In Bezug auf die Definition dieses Rechtes äußert Imam Sajad (A.S.) folgendes: Der allmächtige Gott hat den Magen des Menschen eines Gefäßes gleich erschaffen; man sollte daher eine für dieses Gefäß geeignete Nahrung wählen. Eine Übertreibung bei der Nahrungsaufnahme sowie ein Mangel bei der Nahrungsaufnahme ist also nicht erlaubt. In Bezug auf das Recht des Magens offenbart er nämlich folgendes:

"وَ أَمَّا حَقُ‏ بَطْنِكَ‏ فَأَنْ لَا تَجْعَلَهُ وِعَاءً لِقَلِيلٍ مِنَ الْحَرَامِ وَ لَا لِكَثِيرٍ وَ أَنْ تَقْتَصِدَ لَهُ فِي الْحَلَالِ وَ لَا تُخْرِجَهُ مِنْ حَدِّ التَّقْوِيَةِ إِلَى حَدِّ التَّهْوِينِ وَ ذَهَابِ الْمُرُوَّةِ وَ ضَبْطُهُ إِذَا هَمَّ بِالْجُوعِ وَ الظَّمَإ، فَإِنَّ الشِّبَعَ الْمُنْتَهِيَ بِصَاحِبِهِ إِلَى التُّخَمِ مَكْسَلَةٌ وَ مَثْبَطَةٌ وَ مَقْطَعَةٌ عَنْ كُلِّ بِرٍّ وَ كَرَمٍ وَ إِنَّ الرَّيَّ الْمُنْتَهِيَ بِصَاحِبِهِ إِلَى السُّكْرِ مَسْخَفَةٌ وَ مَجْهَلَةٌ وَ مَذْهَبَةٌ لِلْمُرُوَّة"

"Das Recht des Magens liegt darin, dass du es nicht zu einem Gefäß für islamrechtliche verbotene (obgleich viel oder wenig) Dinge einsetzt; und auch islamrechtlich erlaubte Nahrung sollte in Maßen eingenommen werden; man sollte das Maß von der Kräftigung des Körpers nicht zur Essgier führen; und wenn du das Gefühl von Hunger oder Durst verspürst, so denke an mich! Eine übermäßige Nahrungsaufnahme führt zu Faulheit und Trägheit, sodass der Mensch schließlich von guten Taten abgehalten wird. Und jedes Getränk, welches einem Menschen die Sinne raubt und zur Trunkenheit führt, besitzt als Konsequenz die Ignoranz, die Unwissenheit und die Mitleidlosigkeit."[1]

Im Rahmen der Interpretation dieser Aussagen sollte man darauf hinweisen, dass es offensichtlich ist, dass jeder Mensch aufgrund der unterschiedlichen Sinne zahlreiche Bedürfnisse besitzt. Diese Bedürfnisse reichen von materiellen Bedürfnissen bis hin zu geistigen und psychischen Bedürfnissen und jedes einzelne dieser Bedürfnisse sollte auch mit einer darauf angepassten Nahrung gestillt werden. Aus diesem Grund stellt in Bezug auf die materiellen Bedürfnisse und dessen Stillung kein Mensch, auch nicht der edelmütige Prophet (S.A.S.), eine Ausnahme dar.

Der allmächtige Gott offenbart im heiligen Koran nämlich folgendes:                                   " وَ ما جَعَلْناهُمْ جَسَداً لا يَأْكُلُونَ الطَّعامَ وَ ما كانُوا خالِدينَ " "Wir machten sie (die Propheten) nicht zu Körpern, die keine Speise essen, und sie waren nicht unsterblich." (Al- Anbiya | 21: 8).

Nichtsdestotrotz lag eine der Beschwerden seitens der Verleumder der Prophetie darin, dass ein Prophet weder Nahrung zu sich nehmen sollte, noch den Basar beschreiten sollte:

" وَ قالُوا ما لِهذَا الرَّسُولِ يَأْكُلُ الطَّعامَ وَ يَمْشي‏ فِي الْأَسْواقِ لَوْ لا أُنْزِلَ إِلَيْهِ مَلَكٌ فَيَكُونَ مَعَهُ نَذيرا " "Und sie sagen: "Was ist mit diesem Gesandten, dass er Speise isst und auf den Märkten umhergeht?! (Er verfolgt weder die Tradition der Engel noch die Methode der Könige!) O würde doch zu ihm ein Engel herabgesandt, um mit ihm ein Warner zu sein (und den Beweis dafür zu liefern, dass er der auserwählte ist)?!" (Al- Furqan | 25: 7). Es ist aber wichtig, dass man sowohl die Art als auch die Menge der Nahrung beachtet; mit anderen Worten ist nicht jede Nahrung für den menschlichen Körper geeignet. Wenn der Mensch nämlich auf der Suche nach der Entwicklung und Vollkommenheit ist, sollte er auch seine Lebensmittel zu sich nehmen. Und die Menge dieser Nahrung sollte auch nur die für ihn erforderliche Menge umfassen.

 

Die negativen materiellen und spirituellen Konsequenzen bei mangelnder Einhaltung der Rechte des Magens

Eine Übertreibung bei der Aufnahme von Speisen und Getränken schadet nicht nur dem menschlichen Körper, sondern besitzt auch weitere negative Konsequenzen und Schäden! Zu diesen negativen Konsequenzen zählen beispielsweise Müdigkeit und Trägheit und ähnliches. Wenn die Speise dann auch nicht rein und islamrechtlich erlaubt und sauber ist, so führt sie außerdem zu negativen geistigen und psychischen Konsequenzen für den Menschen.

Aus diesem Grund besteht seine Exzellenz, Imam Sajad (A.S.), darauf, dass die Rechte des Magens erkannt und auch eingehalten werden sollten. In diesem Zusammenhang äußert er folgendes: "Der Mensch darf nicht so viel Nahrung zu sich nehmen, das es zu Faulheit und Trägheit führt. Und bei der Wahl der Getränke sollte der Mensch auch nicht jedes Getränk zu sich nehmen, da einige dieser Getränke zur Trunkenheit des Menschen führen können und die Ignoranz und Unwissenheit und Mitleidlosigkeit als Konsequenz mit sich führen." Die mangelnde Einhaltung und Beachtung der Rechte des Magens führen für den Menschen also zu zahlreichen körperlichen und geistigen und psychischen Krankheiten.

 

Die Rechte des Magens aus der Sicht der Koranverse und der Überlieferungen

Der allmächtige Gott erachtet das Prinzip der Aufnahme und des Verzehrs von Speisen und Getränken als eine Erforderlichkeit und Notwendigkeit; eine Übertreibung und Verschwendung von Speisen und Getränken verbietet er jedoch und offenbart in diesem Zusammenhang folgendes: " وَ كُلُوا وَ اشْرَبُوا وَ لا تُسْرِفُوا إِنَّهُ لا يُحِبُّ الْمُسْرِفين " "[...] und esst und trinkt (von den göttlichen Segen), aber seid nicht maßlos! Er (Allah) liebt nicht die Maßlosen." (Al- A'raf | 7: 31).

Dieser Koranvers zählt zu den besten hygienischen Geboten und umfasst gleichzeitig dieselben Ergebnisse wie die Untersuchung heutiger Wissenschaftler, und zwar dass der Magen das Zentrum und die Stätte aller Krankheiten darstellt und die Sparsamkeit beim Essen das höchste und beste aller Medikamente bildet, und dass man dem Körper keinesfalls Dinge verwehren sollte, an die er sich bereits gewöhnt hat.

Und außerdem äußert der edelmütige Prophet (S.A.S.) in diesem Zusammenhang folgendes: " وَ أَعْلَمُ أَنَّ الْمَعِدَةَ بَيْتُ الدَّاءِ وَ الْحِمْيَةَ هِيَ الدَّوَاء وَ أُعَوِّدُ الْبَدَنَ مَا اعْتَاد "[2]  Und in der heiligen Rede seiner Exzellenz, Imam Ali (A.S.), wird folgende Aussage überliefert:            " قِلَّةُ الْأَكْلِ‏ تَمْنَعُ كَثِيراً مِنْ أَعْلَالِ الْجِسْمِ " "Eine Mäßigung beim Verzehr von Speisen bewahrt den menschlichen Körper vor vielen körperlichen Krankheiten."[3]

Und an einer anderen Stelle äußert er folgendes: " كَثْرَةُ الْأَكْلِ‏ وَ النَّوْمِ‏ تُفْسِدَانِ النَّفْسَ وَ یَجْلِبَانِ الْمَضَرَّة " "Eine Maßlosigkeit und Übertreibung in Bezug auf Speisen und Schlaf schwächt das Wesen des Menschen und verleitet zur Irreführung und führt zu zahlreichen Schäden für den menschlichen Körper."[4] Und der edelmütige Prophet (S.A.S.) äußert in diesem Zusammenhang folgendes:

" لَا تُمِيتُوا الْقُلُوبَ‏ بِكَثْرَةِ الطَّعَامِ وَ الشَّرَابِ فَإِنَّ الْقُلُوبَ تَمُوتُ كَالزُّرُوعِ إِذَا كَثُرَ عَلَيْهِ الْمَاء " "Vernichtet nicht euren Bauch durch Maßlosigkeit und Übertreibung im Verzehr von Speisen und Getränken; sonst stirbt der Bauch nämlich; ebenso wie die Saat bei einem Überschuss an Wasser verdirbt."[5] In Bezug auf die Vermeidung von islamrechtlich verbotenen Speisen und dessen Verzehr hat der edelmütige Prophet (S.A.S.) auf Grundlage der Lehren des heiligen Koran zahlreiche Empfehlungen und Vorgaben geäußert.

Unter anderem zählt folgende Empfehlung zu seinen Äußerungen:                                    " مَنْ‏ أَكَلَ‏ لُقْمَةَ حَرَامٍ‏ لَمْ تُقْبَلْ لَهُ صَلَاةٌ أَرْبَعِينَ لَيْلَةً وَ لَمْ تُسْتَجَبْ لَهُ دَعْوَةٌ أَرْبَعِينَ صَبَاحاً وَ كُلُّ لَحْمٍ يُنْبِتُهُ الْحَرَامُ فَالنَّارُ أَوْلَى‏بِهِ " "Wenn eine Person einen Bissen von einer islamrechtlich verbotenen Speise zu sich nimmt, so werden seine Gebete 40 Nächte lang nicht akzeptiert und seine Wünsche und Bitten aus seinen Gebeten werden 40 Tage lang nicht erhört und falls diese Person islamrechtlich verbotenes Fleisch zu sich nimmt, so verdient sie das Feuer des Jenseits."[6] Und an einer anderen Stelle äußert der edelmütige Prophet (S.A.S.) in Bezug auf die wesentlichen Folgen islamrechtlich erlaubter Speisen folgendes:

" مَن أَكَلَ الحَلالَ أربَعينَ يوماً نَوَّرَ اللَّهُ قَلبَه، وَ أَجرَى يَنابِيعُ الحِكمَةِ مِن قَلبِه عَلى لِسانِه " "Diejenige Person, die 40 Tage lang islamrechtlich erlaubte Speisen zu sich nimmt und beständig bleibt, erlangt die Erleuchtung seines Herzens seitens des allmächtigen Gottes; außerdem segnet der allmächtige Gott die Zunge dieses Menschen durch sein Herz mit Weisheit"[7]

Die Beharrung auf Mäßigkeit in Bezug auf Speisen besteht aufgrund deren Vorzüge und Vorteile im Diesseits und im Jenseits. Und für diejenigen Menschen, welche gläubig und fromm sind, ist es von Bedeutung, diese Vorgaben und Gebote zur Erlangung der Gesundheit zu befolgen. Die Einhaltung dieser Gebote und Vorgaben führt außerdem zur Reinheit des Geistes und der Psyche und beeinflusst diese auch positiv.



[1] Ibn Shobeh Harani, Hassan Ibn Ali. Tohaf Aloghool. S.258. Qom. Jame’eh Modaresin. 2. Auflage. 1363 islamisch-arabische Zeitrechnung. " تحف العقول "

[2] Ibn Babouyeh, Mohammad Ibn Ali. Alkhesal. Bd. 2. S. 512. Hadith 3. Jame'eh Modaresin. 1. Auflage. 1362 islamisch-arabische Zeitrechnung. " الخصال "

[3] Tamimi Amodi, Abdolvahed Ibn Mohammad. Ghorar Alhekam va Dorar Alkelam. S. 500. Hadith 56. Qom. Dar Alketab Aleslami. 2. Auflage. 1410 islamisch-arabische Zeitrechnung. " غرر الحكم و درر الكلم "

[4] Tamimi Amodi, Abdolvahed Ibn Mohammad. Ghorar Alhekam va Dorar Alkelam. S. 526. Hadith 37. Qom. Dar Alketab Aleslami. 2. Auflage. 1410 islamisch-arabische Zeitrechnung. " غرر الحكم و درر الكلم "

[5] Tabarsi, Hassan Ibn Fazl. Makarem Alakhlagh. S. 150. Qom. Sharif Reza Verlag. 4. Auflage. 1370 islamisch-arabische Zeitrechnung. " مكارم الأخلاق "

[6] Majlesi, Mohammad Bagher. Baharolanvar. Bd. 63. S. 314. Hadith 7. Beyrut. Dar Ahya Altoras Alarabi. 2. Auflage. 1403 islamisch-arabische Zeitrechnung. " بحار الأنوار "

[7] Alfeyz Alkashani. Almahjat Albeyza Fi Tahzib Alahya. Bd. 3. S. 204. Überarbeitung von Ali Akbar Ghafari. Qom. Islamischer Verlag. 2. Auflage. O.J. " المحجة البيضاء في تهذيب الأحياء "




Kommentar



Zeige nichtöffentliche
تصویر امنیتی :