Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 96485
Datum der Veröffentlichung : 3/11/2016 4:35:55 PM
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Die Islamkunde 169, der Islam und ethische Rechte


Freitagsansprache von 22.01.2016

von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V.

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Wenn sich alle Menschen vereinen, die gegenseitigen Gesetzte achten und einander respektieren würden, könnte sie dann zweifellos eine (stabile) Gesellschaft ohne Probleme und Sorgen bilden, denn sobald sich dann eine Problematik zeigen würde, könnte sich durch den kollektiven Willen (Initiative), diese beseitigt werden. In Imam Sajjads (Friede sei auf Ihn) „Risalat al-Hughugh“ werden diese Aspekte berücksichtigt und wenn sich wirklich alle daran halten würden, könnte sich dadurch „das wahre Paradies auf Erden“ verwirklichen.

Recht der Spenden-abgabe

Imam Sajjad (Friede sei auf Ihn) besagt im weiteren Verlauf, dass die Wegfindung zu Vollkommenheit, zum Heranwachsen und wahren Glückseligkeit des Menschen dient, und hierbei erwähnt er auch das Recht der Spenden-abgabe: „Zur Spenden-abgabe muss man wissen, dass Gott diese gute Tat bei sich aufbewahrt und als Sicherheitsabgabe bei sich behält(Pfand), deshalb braucht man dafür keine Zeugen für diese Sicherheitsverwahrung (welche normalerweise Voraussetzung sind bei Sicherheitsverwahrungen).Nun wo man keine Zeugen mehr braucht, sollte sich der Mensch mehr dazu bereit fühlen mehr zu spenden, da Gott keine Zeugen am jüngsten Tag mehr für ihn benötigt werden, vor allem aber bei der Spende wo man damit rumprahlt! Generell sollte man nicht denken, dass man beim Spenden alles aufgibt und verliert und nichts von Gott zurückerhält. Außerdem  sollte man demjenigen, dem man spendet, kein Verbindlichkeitsgefühl auftragen, damit sich dieser nicht verpflichtet fühlt und sich dadurch noch mehr schämt.“[1]

Pflichtbewusstsein für Mitmenschen aus der Sicht des Islams

Der heilige Koran ist aus islamischer Sicht das Mittel zur ewigen Glückseligkeit, und verweist darauf hin, dass man sich ein Verantwortungsgefühl in Bezug auf die Lebensprobleme seiner Mitmenschen aufbauen muss, vor allem diejenigen denen es finanziell gut geht und die Möglichkeit haben, weiteren Menschen unter den Armen zu greifen. Hierbei bezieht sich der heilige Koran oft auf die Spenden-abgabe und Gabenverteilung.

1-       „Wie diejenigen, die ihr Hab und Gut auf dem Weg Gottes spenden, sind wie ein Samenkorn, welches sieben Ähren besitzt und jede Ähre wiederum hundert Samenkörner, und Gott vermehrt vielfach demjenigen, den er will und Gott ist der Vervielfältigende und der Weise.“[2]

2-       „Wie diejenigen, die ihr Hab und Gut für die Zufriedenheit Gottes und für die Standhaftigkeit der menschlichen Seele spenden, sind wie ein Garten auf einem hohen Hügel, wo ein starker Regenguss fällt und deren Ernte sich dadurch vervielfacht, und wenn kein starken Regenguss fällt, gibt es durchgehend einen milden Regen (was zeigt, dass es immer gute Ernte daraus reift) und Gott sieht alles was ihr tut.“[3]

 

Das wirtschaftliche Getriebe und Mauerwerk des Islams

Der heilige Koran beschreibt in verschiedenster Weise die wirtschaftlichen Probleme der Menschen, welche zur Kluft zwischen Reich und Arm führen und aus diesem Grunde dies eine ernst zunehmende Angelegenheit ist, und zählt dazu verschiedene Lösungswege auf. Diese Anweisungen sind dafür da, dass sich der Mensch in materiellen Reichtum nicht verliert und stets auf die Mitmenschen achten sollte, und ruft dazu auf, dass man mit einem „Halal“ Weg materielle Dinge erzielen sollte und keinen Gewinn zins im Handel erhalten sollte, da dieser unerlaubt und verboten ist.[4] Interessant ist, dass für diejenigen, die einen bestimmten Gewinn erzielen, unter gewissen Bedingungen, „islamische Steuern“  wie zum Beispiel „Zakat“, „Khums“ und ähnliches anfallen. Das zeigt also, dass jeder Mensch in einem muslimischen Staat bestimmte Verpflichtungen hat, die gerecht von Gott im Koran festgelegt wurden.

Motivieren von Wohlhabenden und Reichen  zur Begleichung von Verpflichtung-und Empfehlungssteuer

Der Islam ruft vor allem die Wohlhabenden in der Gesellschaft dazu auf, den Armen zu helfen und zu unterstützen, damit diese nicht unter ihrer schwierigen finanziellen Situation leiden müssen. Daher beschreibt Imam Sajjad (Friede sei auf Ihn) zwei Arten von Spenden-gaben, einmal die verpflichtende Spenden-abgabe wie „Zakat“, und zweitens, die empfohlene Spenden-abgabe, welche jede Art von Spenden-hilfe ist, die in den Koranversen und Überlieferungen mit viel Lohn geschildert worden ist. Imam Sajjad (Friede sei auf Ihn) beschreibt in Bezug auf das „Recht der Spenden-abgabe“ ein paar Thematiken:

Erstes Thema: Hierbei geht es darum, dass die Spenden-abgabe eine Art „Aufbewahrung“ und „Ersparnis“ ist und deswegen man nicht denken sollte, dass wenn man anderen von seinem Vermögen etwas spendet, das eigene Besitz  verringert wird, denn Gott berechnet alles von jeden einzelnen Menschen, vor allem auch bei materiellen Dingen!!! Denn jemand der für die Zufriedenheit Gottes spendet, betreibt sozusagen den besten Handel und erhält dadurch auch den meisten spirituellen Gewinn.

 Zweites Thema: Das was Imam Sajjad (Friede sei auf Ihn) sagte: Die „geheime“ und „verdeckte“ Spenden-abgabe ist bedeutungsvoller und besitzt mehr Lohn bei Gott als die „öffentliche“ Spenden-abgabe, denn normalerweise gibt es bei der geheimen Spenden-abgabe keinerlei Angeberei und Prahlerei. Zusätzlich wird hierbei berücksichtigt, dass derjenige der die Spende erhält nicht erniedrigt und gedemütigt wird.

 Drittes Thema: Hiermit muss beachtet werden, dass bei der Spenden-abgabe niemals ein Art von „Angeberei“ oder „Prahlerei“ (mennat) gezeigt wird, sodass bei dem Spendenempfänger, kein Verpflichtung- und Verbindlichkeitsgefühl entsteht, denn dadurch vergeht auch der spirituelle Einfluss dieser gesegneten Tat.

Alle diese Angelegenheiten wurden auch im Koran erwähnt und dieses zeigt dass Imam Sajjad (Friede sei auf Ihn) eine Art „Koran in Menschengestalt“  ist, genauso auch spricht und sich verhält. Deshalb sollte der reiche Mensch wissen, dass sein Reichtum nicht ihm selbst gehört sondern so zusagen „eine zur Aufbewahrung gegebener Gegenstand“ und „Verwahrung“ von Gott ist, denn der wahre Besitzer und Eigentümer von allen Lebewesen und der Menschen ist nur Gott. Aus diesem Grunde besagt Gott im heiligen Koran: „Und spendet von allen Gaben mit denen ich euch gesegnet habe.“[5] Und im Koran weist man diese Art von Sichtweise, frommen Menschen zu: „Dieses Buch ist voller Macht und Größe, es gibt keine Zweifel; und ein Mittel zur Rechtleitung von frommen Menschen. Denen, welche zu unscheinbaren Dingen Glauben finden und das Gebet aufrecht erhalten und alle Gaben, mit dem sie gesegnet wurden, spenden.“[6] Diese Sichtweise ist einer der wichtigsten islamischen Lehren, da kein Mensch sich als wahrer, alleiniger Besitzer behaupten darf, da diese ganzen Gegenstände im eigentlichen eine „Leihgabe“ von Gott sind.

 

Vorzüge der geheimen Spenden-abgabe

Gott beschreibt im Koran, dass beim empfohlenen Spenden viel Segen und Gnade herbeigeführt wird, aber bei dem geheimen Spenden wird dieser Segen mehrmals vervielfacht und besitzt viele weitere positive Einflüsse: „Wenn ihr eure Spenden-abgaben öffentlich macht, wird dies befürwortet! Wenn ihr jedoch diese geheim hält und „still“ spendet, wird dies für euch besser sein, denn ein Teil eurer Sünden wird dadurch auch „geheim“ gehalten und verzeiht! Und Gott weiß über ,all das was ihr tut, Bescheid!“[7] Denn in manchen Überlieferungen wird genau besagt, dass es besser ist, dass man verpflichtende Spenden abgabe öffentlich zeigt und man empfohlene Spenden-abgaben geheim hält. (Hadtih auf Arabisch)[8]

Materielle und spirituelle Einflüsse von Spenden-abgabe

Es gibt viele verschiedene einflussreiche Dinge in der Spenden-abgabe, aber wir erwähnen kurz und knapp nur die einige Einflüsse im alltäglichen Leben: 1. Segen und Gnadenvermehrung[9]; 2. Vertreibung von Plagen und Unheil, wie eine Überlieferung vom Propheten (Friede sei auf Ihn und seine Familie) und eine von Imam Ridha (Freide sei auf ihn) dies erwähnen.[10] ; 3.Heilen von Krankheiten wie Imam Ridha (Friede sei auf ihn) besagte:[11] ; 4. Erhörung des Bittgebets; 5.Vertreibung des Zorn Gottes; 6. Vertreibung von Unglück…

Es gibt also die Hoffnung, dass Gott uns mit diesen Charaktermerkmal beschenkt, damit wir so viel wie möglich versuchen, die Armut zu beseitigen.

 



[1] Ibn Shaba Harani, Hassan ibn Ali, Tohaf al-Ughul, Seite 259, Qom, Jamee Modarresin, Band 2, Mondjahr 1404

[2] Sura Baghara, Vers 261

[3] Sura Baghara, Vers 265

[4] R.K: Buch von Shahid Mutahhari und Shahid Sadr in Bezug auf das Thema „Zinsen“

[5] Sura Baghara, Vers 3

[6] Sura Baghara, Vers 2 und 3

[7] Sura Baghara, Ver 271

[8] Qomi, Ali ibn Ibrahim, Tafsir al-Qomi, Band 1, Seite 92, Qom, Dar al-Kitab, Dritte Auflage, Mondjahr 1404. Und Majlesi, Mohammad Baghir, Bihar al-Anwar, Band 69, Seite 284, Beirut, Dar Ihya al-Thurath al-Arabiyya, Zweite Auflage, Mondjahr 1403.

[9] R.K: Tabarsi, Fadhl ibn Hassan, Majma al-Bayan fi tafsir al-Quran, Band 5, Seite 103, Teheran, Naser Khosrow, Dritte Auflage, Jahr 1372.

[10] Ali ibn Musa, der achte Imam (Friede sei auf ihn), al-Figh ar-Ridha, Seite 357, Mashhad, Muasseseh Al al-Bait (Friede sei auf ihnen), Erste Auflage, Mondjahr 1406. Und Majlesi, gleicher Buchtitel, Band 93, Seite 137, Überlieferung 14.

[11] Figh ar-Ridha, Seite 347. Und Majlesi, Band 59, Seite 261, Überlieferung 10.


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