Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 96001
Datum der Veröffentlichung : 3/2/2016 4:51:34 PM
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Die Islamkunde 168, der Islam und ethische Rechte


Freitagsansprache von 15.01.2016

von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V.

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

In einem weiteren Verlauf unseres Themas der ethischen Rechte und Berechtigungen, weist Imam Sajjad (Friede sei auf Ihm) auf das „Recht der Pilgerfahrt“ hin. Die Pilgerfahrt ist ein besonderer Gottesdienst, welche aus einer Anzahl von verschiedenen religiösen Vorschriften besteht und nicht auseinander gebracht werden kann. Die Pilgerfahrt ist wie das Gebet oder die Zakatabgabe, nicht nur eine religiöse Vorschrift, sondern eine Art Eid und Gelübde mit Gott, womit der Mensch Schutz und Geborgenheit bei Gott finden kann. Deswegen besagt auch Gott im heiligen Koran: „Und für die Menschen ist die Pilgerfahrt verpflichtend, für diejenigen welche die Fähigkeit dazu besitzen.“[1]

Die wertvollste und erste Gebetsstätte(Zentrum)

Imam Sadigh (Friede sei auf Ihm) besagte in einer Überlieferung über diesen gottesdienstlichen Akt: „Derjenige der diese Welt verlässt und stirbt, wird bedauernd und reuevoll feststellen, dass er wenigstens einmal die Pilgerfahrt im Diesseits ausgeführt hätte.“[2] Die Kaaba ist das erste Gotteshaus und die älteste Gebetsstätte, da es keine andere Gebetsstätte, vor ihr, hier auf der Erde gab. Der Koran sagt hierzu, gegenüber der Erde: „Das erste Haus, welche für die Menschen (und für das Gottesdienst) festgelegt wurde, ist genau das, welches in Mekka ist, da es viel Segen besitzt und dazu führt, dass die Welten rechtgeleitet werden.“[3]

Nach gültigen islamischen Quellen, wurde die Kaaba vom Propheten Adam (Friede sei auf Ihm) erbaut. Geschädigt wurde die Kaaba, nach einer großen Flut in der Zeit vom Propheten Noah (Friede sei auf ihm), bis der Prophet Abraham und sein Sohn Ismail (Friede sei auf ihnen) diese wieder neu erbaut hatten. Im Koran wird über Abrahams (Friede sei auf Ihm) Worte, in Bezug auf Mekka gesprochen welche besagen: „Oh Gott! Ich habe einen Teil von meinen Nachkommen in ein Land ziehen lassen, welches dürr war und kein Wasser enthielt, aber ein Haus besitzt, welches deine Weihstätte ist.“[4] Dieser Koranvers beweist, dass es vor dem Eintretten des Propheten Abrahams (Friede sei auf Ihm), seiner Ehefrau und seinem Kind in Mekka, auch schon vorher Spuren von diesem Haus gegeben hat. In einem weiterem Koranvers wird besagt: „Und gedenkt daran, als Abraham und Ismail das Haus (Kaaba) wiedererbaut hatten und sagten: „Oh Gott nimm diese Tätigkeit an, die wir ausübten, denn du bist der Allerhörende und Wissendste.“[5]

Der Geborgenheitskern für die Rechtleitung

Die Kaaba ist das Haus des Monotheismus und angesichts materiellen und spirituellen Sichtweisen, ist sie für alle Monotheisten voller Segen und Gnade. Dieser heilige Platz besitzt für alle eine rechtleitende Dimension und Weite „und dient zur Rechtleitung Aller Welten“[6]. Außerdem gibt es eindeutige Zeichen und Beweise, dass dieses Haus, Monotheismus und Gottesanbetung, ausstrahlt. Ein Zeichen dafür ist, dass es dauerhaft im Laufe der Geschichte in Bezug auf die Feinde, welche es zerstören wollten, immer standfest geblieben ist und die Elemente wie : Zamzam Quelle, Hügel Marwa und Safa, Rokn, Hajar al-Aswad Stein, Hijr Ismails und Abrahamsstätte, weitere bekannte „Zeugen“, Belege und Hinweise für diesen heiligen Ort sind.  Ausprägend ist jedoch eher, diese starke Geborgenheit und Ruhe, welche dort zu finden ist. „Und jeder der dort eintretet, ist in Sicherheit.“[7] Deshalb forderte der Prophet Ismail (Friede sei auf Ihm) in seinem Bittgebet von Gott, Sicherheit und Ruhe in diesem Haus: „ Und gedenkt daran während Ismail sprach: Oh Gott! Lege dieses Gebiet als Ruhestätte und Sicherheit fest!„[8]

Die Pilgerfahrt als größte Gottesdienstdarstellung

In der Pilgerfahrt wird die Größe und Spiritualität der Seelen der Menschen dargestellt und präsentiert. Die Pilger sind sozusagen als Gast in einem riesigen Besuch voller Gottesnähe und  Geistlichkeit eingeladen, damit sie sich durch diese ganzen verschiedenen Pilgerfahrtsgebote, seelisch und spirituell steigern können.  Jeder Pilger wächst somit mit jeder Abhandlung der Gebote, eine Stufe der Gottesdiener höher auf und versucht auf dieser spirituellen Reise, eine gewisse göttliche Spur als „geistige“ Souvenir, mit nach Hause zunehmen. Das heißt also, dass sich der Mensch hier in Wirklichkeit seinen vollen Gottesdienst ausstrahlen kann, so wie der Prophet (Friede sei auf Ihm und seine Familie) besagte: „ Genauso wie das Gebet, ist die Pilgerfahrt zu Gott auch verpflichtend, und das Umkreisen und die weiteren Vorschriftsgebote, sodass man ständig an Gott gedenkt.[9] Nachdem dein Herz von dieser außergewöhnlichen, übernatürlichen Macht nicht beeinflusst wird und nicht mehr an Gott denkt, was für ein Nutzen trägt dieses formelle Zikr und dieser äußerliche Gottesdienst (ohne wahren Gedanken an Gott)?[10]

Deswegen spielt bei jeder Pilgervorschrift, das Gelangen zum „wahren Gottesdiener“, eine große Rolle. Die Pilger sollten sich daher von jeglichem materiellen Dingen und Begehren abwenden, sodass dies als Stütze und Lenkung zur wahren Rechtleitung zu Gott dient und damit das Ziel des „wahren Gottesdiener“ erlangt werden kann.

Das Recht der Pilgerfahrt

Imam Sajjad (Friede sei auf Ihm) besagte bezüglich des Pilgerfahrtrechtes, hinsichtlich der Menschen, das es bedingt ist, diese Tat auszuführen, da man sonst nicht zur wahren Menschenvervollkommenung gelangen kann: „ Das Recht der Pilgerfahrt ist, dass man sich damit auseinandersetzen muss, dass wenn man sich zum Gebiet Gottes begibt, sich von seinen Sünden befreien soll, denn die Vergebung Gottes liegt im Prinzip nach der Durchführung von seinen Vorschriften, welche er für dich verpflichtend gemacht hat.“ [11]

Aufgrund dieser Aussage von Imam Sajjad (Friede sei auf Ihm), sollte der Mensch in Anbetracht der Gottesnähe, das Recht der Pilgerfahrt erkennen und sich somit dahinlenken lassen, sodass damit in Wirklichkeit seine eigenen Sünden vergeben werden können. Imam Sadigh (Friede sei auf Ihm) besagte: „Wenn der Pilger, seine Pilgerfahrtsgebote beendet hat wie zum Beispiel Umkreisen, Ramji Jamarat und so weiter, bedeutet dies eigentlich das er sich von den Sünden löst und letztendlich somit seine Sünden vergeben werden.“[12]

In einer weiteren Überlieferung beschreibt Imam Sadigh, dass es drei verschiedene Arten von Pilgergruppen gibt, wenn sie wieder von der Pilgerfahrt zurückkehren: „Eine Gruppe wird sozusagen vom Höllenfeuer befreit und die zweite Gruppe wird deren Sünden insoweit vergeben, sodass sie als „Neugeboren“ gelten, und die dritte Gruppe wird mit vollkommener Sicherheit und Ruhe, bezüglich finanzieller und familiärer Dingen, zurückkehren und dies ist die niedrigste Stufe vom „Haji“ sein.“[13]

Materielle und spirituelle Ebenen der Pilgerfahrt

Die Tiefe und Wahrheit der Pilgerfahrt wird in den Überlieferungen als besonderes glanzvolles Licht im Jenseits beschrieben, welches der Gläubige dort empfängt. Neben der spirituellen Ebene der Pilgerfahrt, welche über einen großartigen und gesonderten Standpunkt verfügt, weist diese auch die kollektive und politische Dimension der Pilgerfahrt auf, da die Pilgerfahrt ein Stützpunkt für alle Muslime ist. Somit besitzt sie die Möglichkeit, dass dort alle gemeinsam in Kontakt treten können und untereinander deren unterschiedlichen Kulturen- und Nationalitätsinformationen austauschen können, sodass durch diese jährliche Zusammenführungen den Muslimen es besser gelingt, sich untereinander verstehen zu können.

Nach vielen Koranversen wird besagt, dass das „sich Freisprechen von Polotheismus“ ein wichtiger Bestandteil der Pilgerfahrt ist, sodass der Pilger sich mehr mit dem Monotheismus bekräftigt vor allem in Bezug auf die Ungerechtigkeit und Tyrannei auf der Welt. Die Muslime sollten sich vor allem mehr mit diesem Abschnitt der Pilgerfahrt tiefgründig beschäftigen, da sich dadurch der Pilger nicht nur sich selber und seine Familie in Verantwortung zieht, sondern auch diesbezüglich auf alle anderen Muslime und Mitmenschen, damit sich dieses Verantwortungsbewusstsein mehr ausbilden kann.

Demzufolge sollte man nicht die Pilgerfahrtgebote und Vorschriften, als Klischee oder einförmige Nachahmung sehen, sondern hinsichtlich als Vorschrift und göttliches Bündnis, zur Ermunterung, Seelenruhe und Verstärkung des Verantwortungsbewusstsein erkennen. Der Pilger und „Haji“ ist in Wirklichkeit derjenige, der sein Bündnis und Gelübde mit Gott ernst nimmt, sodass er dadurch in seinem Leben, diese gewisse göttliche Spur beibehält.



[1] Ale-Imran/97

[2] Tusi, Muhammad ibn al-Hassan, Tahzib al-Ahkam, Band 5, Seite 23 , Hadith:67, Teheran, Dar al-Kitab al-Islamiyya, 4. Auflage, Jahr 1407 (Mondjahr)

[3] Ale-Imran/96

[4] Ibrahim/37

[5] Baghara/127

[6] Ale-Imran/96

[7] Ale-Imran/97

[8] Baghara/126

[9] Ibn abi Jamhuri, Muhammad ibn Zain ad-Din, Awali al-Liali, Band 1, Seite 323, Hadith: 60, Qom, Dar Sayyid ash-shuhada linashr, 1.Auflage, Jahr 1405(Mondjahr)

[10] Narraghi, Mohammad Mahdi, Jami as-Saadat, Band 3, Seite 327, Beirut, Imali, 4. Auflage, ohne Datum

[11] Ibn Babewei, Mohammad ibn Ali, Man la yahdhuru al-Faghih, Band 2, Seite 620, Hadith:3214,Qom,Daftar Entesharat Eslami,2.Auflage, Jahr 1413(Mondjahr)

[12] Tusi, gleiches Buch, Band 5, Seite 19, Hadith:56

[13] Kulaini, Mohammad ibn Yaghub, al-Kafi, Band 4, Seite 253, Hadith:6, Teheran, Dar al-Kitab al-Islamiyya, 4. Auflage, Jahr 1407 (Mondjahr)



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