Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 94724
Datum der Veröffentlichung : 2/9/2016 2:13:10 PM
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Islamkunde 159 - Islam und moralische Rechte 4


Freitagsansprache von 30.10.2015

von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V.

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Damit das Recht des Wesens und Individuums vollkommen erkannt werden kann, ist es erforderlich, sich auf die "Abhandlung der Rechte" (Risalat al- Huquq) des Imam Sajad (A.S.) zu beziehen. In Bezug auf diese Thematik wurden in dieser Abhandlung nämlich zahlreiche nützliche Diskussionen seitens seiner Exzellenz, Imam Zeynolabedin (A.S.), verfasst. Das Recht des Individuums verfügt in der Erziehung des Menschen über eine besondere Bedeutung und Gewichtung und vielleicht liegt das bedeutendste Geheimnis der Mission des edelmütigen Gesandten Gottes (S.A.S.) genau darin, die menschlichen Wesen zu erziehen und zu bilden, wobei dies voraussetzt, dass selbst die Missionsträger und Überbringer der göttlichen Nachricht vom allmächtigen Gott erzogen werden, wie es auch der Fall war. In diesem Zusammenhang waren die göttlichen Propheten (S.A.S.) sowohl Lehrer als auch Erzieher. In ihrer Funktion als Lehrer waren sie dafür zuständig, die Gedanken und Ansichten der Menschen anzuordnen und sich darum zu bemühen und in ihrer Funktion als Erzieher waren sie darum bemüht, die Menschen auf den akkuraten Weg der Erziehung zu leiten, damit diese ihren wahren Stellenwert erlangen.

Das Recht des Individuums in den heiligen Koranversen und Überlieferungen

Die Bedeutung der Thematik der Katharsis und der Lehre des Buches und der Weisheit umfasst ein solches Ausmaß, dass der heilige Koran mehrere Male darauf besteht und Sie erwähnt.[1] Also sollte man sein Wesen entziehen, wie auch seine Exzellenz, Imam Ali (A.S.), folgendes äußert: "Die Natur und das Gemüt des Wesens liegt im Ungehorsam und in der Unhöflichkeit. Die Aufgabe des Menschen als Geschöpf Gottes liegt darin, sein Wesen mit der höchsten Höflichkeit in Einklang zu bringen und anzugleichen. Das Wesen versucht in Bezug auf Widersetzung und Opposition die Oberhand zu gewinnen und der Mensch als Geschöpf Gottes ist darum bemüht, die schlechten Begierde des Wesens zu kontrollieren. Sobald der Mensch dem Wesen die Zügel überlässt, beteiligt er sich gleichzeitig an dessen Verderbtheit und Untergang. Ein Mensch, der seinem Wesen und dessen Begierden nachgibt, beteiligt sich in Wirklichkeit mit seinem Wesen an der Ermordung seines Selbst."[2]

Aus diesem Grund bildet die Kontrolle des Wesens und die Mäßigung der körperlichen Begierde die bedeutendste und gleichzeitig schwierigste Aufgabe des Menschen und wird in den Überlieferungen als größter Jihad (Jihad mit dem persönlichen Wesen) erachtet. Seine Exzellenz, Imam Ali (A.S.), äußert in diesem Zusammenhang nämlich auch folgendes: "Der tugendhafteste Jihad bildet der Jihad des Menschen mit seinem eigenen Wesen."[3] Und in einer weiteren Überlieferung über seine Exzellenz (A.S.) steht folgende Aussage von ihm: "Beginne den Kampf gegen dein Wesen, um dich bei deinen Taten von Fehlleitungen und Kriminalität zu befreien und in Beständigkeit zu leben und mit Gelehrten und wissenden Personen ein und aus zu gehen, um dein Wissen zu erweitern und dich von Unwissenheit und Ignoranz zu distanzieren."[4] Und außerdem äußerte er folgendes: "Jeder Mensch, der die Kontrolle über sein eigenes Wesen besitzt, hat den höchsten Rang der Fähigkeiten eines Menschen erlangt."[5] Und aus diesem Grund äußert der edelmütige Prophet (S.A.S.) folgendes: "Ein mutiger und starker Mann ist kein Mann, der über andere Menschen siegt; stark und beständig und mutig ist nämlich Derjenige, der über sich selbst herrscht (wenn er also die Kontrolle und Prävalenz über sein eigenes Wesen besitzt)."[6]

Ein Aspekt, der in diesem Zusammenhang erwähnt werden sollte und einen hohen Stellenwert besitzt, liegt darin, dass seine Exzellenz, Imam Sajad (A.S.), nach dem Recht Gottes (Haghollah) (als größtes Recht) auf das Recht des Individuums (Hagholnafs) verweist. Der Mensch zählt nämlich zu den ehrenwertesten Geschöpfen Gottes. Diese Ehrenhaftigkeit und Erhabenheit gegenüber allen anderen Geschöpfen Gottes rührt daher, dass der Mensch die Kompetenz einer göttlichen Herrschaft und Regierung besitzt und für die Erlangung eines solchen Stellenwertes sollte der Mensch sein Wesen vollkommen kennen und dieses auf ehrenhafte Art und Weise erziehen. Zweifellos bedarf es auf diesem Weg eines Mentors und Gelehrten, damit der Mensch bei der Erziehung seines Wesens keinesfalls Übertreibungen oder Untertreibungen verfällt.

Diese Diskussion (Jihad mit dem eigenen Wesen) gehört zu den Diskussionen, welche unter den Mystikern sehr umstritten ist; in der praktischen Umsetzung muss man nämlich spezielle Besonderheiten und Sorgfalt beachten. Aus diesem Grund äußerten unsere großen Persönlichkeiten folgendes: "Wähle den Weg, den die Rechtgeleiteten gegangen sind." Man sollte nämlich den Weg verfolgen, den die göttlichen Propheten (S.A.S.) und deren Reine Nachkommenschaft (A.S.) gegangen sind, da sie die reinsten Menschen auf der Welt waren und auf die beste Art und Weise erzogen und geformt wurden. Um die Bedeutung dieser Diskussion darzulegen, wird auf eine Überlieferung vom edelmütigen Propheten (S.A.S.) hingewiesen, welche sehr wichtige Aspekte umfasst.

Diese Überlieferung besagt, dass Maja'esh eine Audienz beim edelmütigen Propheten (S.A.S.) hatte und seine Exzellenz viele bedeutende Fragen stellte. Der edelmütige Gesandte (S.A.S.) offenbarte genaue und tiefgründige Antworten auf diese Fragen: Maja'esh fragte den edelmütigen Propheten (S.A.S.) folgendes: "O Gesandter Gottes (S.A.S.), worin liegt der Weg der Erkennung des allmächtigen Gottes? Der edelmütige Prophet (S.A.S.) antwortete folgendes: In der Erkennung des eigenen Wesens. Er fragte: Worin liegt der Weg zur Vereinbarung mit dem allmächtigen Gott? Er antwortete: In der Erzürnung des eigenen Wesens. Er fragte: Worin liegt der Weg zur Erlangung des allmächtigen Gottes? Er antwortete: In der Distanzierung von den körperlichen Begierden des Wesens. Er fragte: Worin liegt der Weg der Befolgung des allmächtigen Gottes? Er antwortete: Im Ungehorsam gegenüber des eigenen Wesens und der Vernachlässigung der körperlichen Begierde. Er fragte: Worin liegt der Weg der Erinnerung an den allmächtigen Gott? Er antwortete: In der Verdrängung des eigenen Wesens. Er fragte: Worin liegt der Weg der Annäherung zum allmächtigen Gott? Er antwortete: In der Distanzierung vom eigenen Wesen. Er fragte: Worin liegt der Weg der Verschmelzung mit dem allmächtigen Gott? Er antwortete: In der Angst vor dem eigenen Wesen. Er fragte: Worin liegt der Weg, all diese Dinge zu erlangen? Er antwortete: Den allmächtigen Gott in Bezug auf die körperlichen Begierde des Wesens um Hilfe zu bitten. "[7]

Unter Beachtung der oben genannten Aspekte und auch unter Beachtung der heiligen Koranverse und islamischen Überlieferungen, welche in diesem Zusammenhang geäußert wurden, kommt jeder Mensch zu dem Entschluss, dass die Erkenntnis über das eigene Wesen für den Menschen zu den tugendhaftesten und vorteilhaftesten Bereichen der Mystik gehört; und für die Erziehung des eigenen Wesens sollte der Mensch jeden Augenblick auf den Zustand und das Befinden seines Wesens achten, damit dieses Wesen nicht den Weg der Unruhe, des Ungehorsams und des Widerstandes einschlägt.



[1] " Er ist es, Der unter den Analphabeten einen Gesandten aus ihrer Mitte erweckt hat, um ihnen Seine Verse zu verlesen und sie zu reinigen und sie die Schrift und die Weisheit zu lehren, obwohl sie sich zuvor in einem offenkundigen Irrtum befanden " (Al- Jumu'a | 62: 2).

[2] Tabarsi, Ali Ibn Hassan. Meshkat Al- Anvar Fi Ghorar Al- Akhbar. S. 247. Najaf. Almaktab Alheydarieh. 2. Auflage. 1385 islamisch-arabische Zeitrechnung.

[3] Tamimi Amodi, Abdolvahed Ibn Mohammad. Ghorar Alhekam va Dorar Alkelam. S. 190. Hadith 115. Untersuchung von Seyed Mahdi Rajaei. Qom. Dar Alketab Aleslami. 2. Auflage. 1410 islamisch-arabische Zeitrechnung.

[4] Tamimi Amodi, Abdolvahed Ibn Mohammad. Ghorar Alhekam va Dorar Alkelam. S. 364. Hadith 53. Untersuchung von Seyed Mahdi Rajaei. Qom. Dar Alketab Aleslami. 2. Auflage. 1410 islamisch-arabische Zeitrechnung.

[5] Tamimi Amodi, Abdolvahed Ibn Mohammad. Ghorar Alhekam va Dorar Alkelam. S. 603. Hadith 578. Untersuchung von Seyed Mahdi Rajaei. Qom. Dar Alketab Aleslami. 2. Auflage. 1410 islamisch-arabische Zeitrechnung.

[6] Varam Ibn Abi Feras, Masoud Ibn Isa. Tanbih Al-khavater va Nozhat Al-navazer. Bd. 2. S. 10. Qom. Maktab Faghih. 1. Auflage. 1410 islamisch-arabische Zeitrechnung.

[7] Ibn Abi Jomhour, Mohammad Ibn Zeynoddin. Avali Alla'ali. Bd. 1. S. 264. Hadith 1. Qom. Dar Seyed Alshohada Alnashr. 1. Auflage. 1405 islamisch-arabische Zeitrechung.




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