Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 80380
Datum der Veröffentlichung : 8/8/2015 1:30:23 PM
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Bericht zum Ramadan-Bankett mit Persönlichkeiten aus Politik, Religion, Wirtschaft und Kultur

Bericht über das gemeinsame Ramadan-Bankett der Muslime und Nicht-Muslime anlässlich des gesegneten Eid-al-Fitr (Zuckerfest) 2015
Zeitgleich mit dem diesjährigen Eid-al-Fitr wurde am Montag, dem 20. Juli 2015 ein gemeinsames Bankett von Muslimen und Nichtmuslimen in Hamburg mit der Anwesenheit einiger kultureller, religiöser, wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Persönlichkeiten der Stadt Hamburg mit unterschiedlichen Nationalitäten, Religionszugehörigkeiten und Glaubensansichten abgehalten. Dieses Bankett wurde abgehalten, um das gesegnete Fest des Fastenbrechens gemeinsam zu feiern und ein Zeichen für den Zusammenhalt zu setzen.

Zu den Rednern dieser Zeremonie gehörten folgende Persönlichkeiten:

1. Ayatollah Dr. Ramezani, Imam und Leiter des Islamischen Zentrum Hamburg e.V.

2. Frau Bischöfin Kirsten Fehrs, Leiterin der protestantischen Kirchen in Norddeutschland

3. Herr Rabbiner Shlomo Bistritzky, Landesrabbiner Hamburgs

4. Frau Prof. Dr. Dr. Ina Wunn, Leiterin des theologischen und religionswissenschaftlichen Instituts Hannovers

5. Herr Sammy Jossifoff, Leiter des Dialogbereichs der Judenvereinigung Hamburgs

Im Rahmen dieser Zeremonie, welche unterschiedliche Programme umfasste, wie beispielsweise die Rezitation des heiligen Koran, die Abhaltung von Reden, die Ausstrahlung von Videoclips in Bezug auf die Aktivitäten des Islamischen Zentrum Hamburg e.V. und die Abhaltung eines Banketts, verwiesen einige Redner auf die Bedeutung des Dialogs und des gegenseitigen Respekts unter den Religionen und auch den individuellen und gesellschaftlichen Vorteilen des Fastens - als eine Gemeinsamkeit unter den abrahamitischen Religionen.

Der erste Redner dieses Abends war Ayatollah Dr. Ramezani, Imam und Leiter des Islamischen Zentrum Hamburg e.V.. Er bedankte sich zunächst bei den verehrten Gästen für ihre Anwesenheit im Rahmen dieser Sitzung, vor allem bei den sunnitischen, christlichen und jüdischen Gelehrten, wie auch den Akademikern der Universität und den Wissenschaftlern. Im Rahmen seiner Rede verwies er auf den heiligen Monat Ramadan als eine Gelegenheit zur Selbsterkennung und Selbstachtung, sowie zur Erkennung und Achtung des allmächtigen Gottes und äußerte folgendes: Das Fasten übt einen weitreichenden Einfluss auf unterschiedliche Bereiche des menschlichen Lebens aus.

Dieser Einfluss reicht von der Gesundheit des Körpers und des Geistes über positive Einflüsse in individuellen und gesellschaftlichen Bereichen bis hin zu spirituellen und jenseitigen Einflüssen. Im heiligen Buch der Muslime [dem heiligen Koran] wird das Fasten zur Erlangung spiritueller Werte und der Persönlichkeitsentwicklung des Menschen hervorgehoben und als Gebot vorgegeben. Sowohl in der christlichen als auch in der jüdischen Religion wird das Fasten ebenfalls als ein Teil der Scharia erachtet. Die positiven und konstruktiven Konsequenzen des Fastens umfassen ein solches Ausmaß, dass das Fasten und Hungern auch in den nicht-abrahamitischen Religionen beachtet und berücksichtigt wird.

Durch die Sentimentalität des Herzens in diesem heiligen Monat wünscht sich der Geist des Menschen Segen und Gesundheit und Wahrhaftigkeit und Unversehrtheit für alle Geschöpfe Gottes. In unseren Gebeten in diesem heiligen Monat bitten wir nämlich um folgende Dinge: " اللّهم اغن کلّ فقیر " "Lieber Gott, segne alle Armen", " اللّهم اشبع کلّ جائع " "Lieber Gott, sättige alle Hungernden" usw. ... Wir bitten den allmächtigen Gott in einem solchen Ausmaß, dass wir ihn sogar um die Vergebung und Segnung und Freude und Heiterkeit der Verstorbenen bitten: " اَللّهُمَّ اَدْخِلْ عَلی اَهْلِ الْقُبُورِ السُّرُورَ ". In diesem überwältigenden Monat wächst und entwickelt sich das vergebende und liebevolle Gemüt des Menschen und das Gefühl der Verbundenheit mit anderen Menschen wächst im Geist der Menschen heran.

Andererseits muss man der Tatsache Beachtung schenken, dass der edelmütige Prophet des Islam (S.A.S.) den Menschen als Segen gesandt wurde. " وَمَا أَرْ سَلْنَاكَ إِلَّا رَ حْمَةً لِّلْعَالَمِينَ ". Sodass seine edelmütige Exzellenz (S.A.S.) auch des Öfteren folgendes geäußert hat: " إنّما بُعِثتُ رَحمَةً " "Ich wurde als Barmherzigkeit gesandt.". Wenn man diese Aussage des edelmütigen Propheten (S.A.S.) mit zwei weiteren seiner Aussage erwähnt, findet die Anwesenheit des Propheten des Islam (S.A.S.) sowie aller anderen göttlichen Propheten (A.S.) innerhalb der menschlichen Gesellschaft eine genauere und tiefgründige Bedeutung.

Die zwei erwähnten Aussagen sind folgende: " إنّما بُعِثتُ مُعلماً " "Ich wurde als Lehrer gesandt", " إنّما بُعِثتُ لِاُتَمِّمَ مَکارِمَ الأخلاق " "Ich wurde zur Vervollkommnung der Moral gesandt". Unter der Beachtung dieser heiligen Ziele, welche die Mission des edelmütigen Propheten (S.A.S.) besitzt, stellt die islamische Gesellschaft in Wirklichkeit eine Gesellschaft der Vergebung, eine lehrende Gesellschaft und eine Gesellschaft erfüllt mit moralischer Großzügigkeit dar.

Der Leiter der Islamisch-Europäischen Union der Schia-Gelehrten und Theologen verurteilte in seiner Rede die terroristischen und gewalttätigen Aktivitäten der Extremisten und erinnerte daran, dass der Islam eine gemäßigte Religion ist, deren Hauptzweige die Rationalität, Spiritualität, Gerechtigkeit und Nächstenliebe bilden. Im Anschluss äußerte er folgendes: Leider verbreiten einige Menschen im Namen der Religion Gewalt und Angst und Schrecken. Wir sind davon überzeugt, dass Gewalt und Terror keinerlei Beziehung zum Islam und auch zu den anderen abrahamitischen Religionen besitzen. Der edelmütige Prophet des Islam (S.A.S.), welcher ein Prophet der Barmherzigkeit und Nächstenliebe war, verbreitete niemals jegliche Art von Gewalt.

Leider sind einige Aspekte im Umlauf, welche zweifellos keinerlei Beziehung zu den islamischen Lehren und den Lehren des heiligen Koran besitzen. Zu den Hauptzweigen der aufklärenden Religion des Islam gehören nämlich die Rationalität, die Spiritualität, die Gerechtigkeit und die Nächstenliebe. Die Rationalität gehört zu den Besonderheiten aller abrahamitischer Religionen und besitzt auch in den Lehren des Islam einen besonderen Stellenwert. Im heiligen Koran wurden mehr als 300 Verse in Bezug auf die Intellektualität und Reflexion offenbart, daher besteht aus der Sicht des heiligen Koran ein wertvolles Kriterium des Menschen aus der Intellektualität und Reflexion. Wenn diese Art von vollkommenen Eigenschaften in den Menschen institutionalisiert werden, bewegt sich die menschliche Gesellschaft zweifellos in Richtung Frieden, Ruhe und Sicherheit.

Zum Schluss seiner Rede deutete Ayatollah Dr. Ramezani auf das Islamische Zentrum Hamburg e.V. als Symbol des Dialogs und der Einheit zwischen den Religionen und Glaubensansichten hin und äußerte folgendes: Wie Sie bereits wissen, wurde das Islamische Zentrum Hamburg e.V. im Jahre 1960 im Herzen Europas erbaut und eingeweiht und fungiert nun schon seit 55 Jahren als ein schimmerndes Juwel der Rationalität und Spiritualität in Deutschland und Europa und stellt ein moralisch und menschlich etabliertes Symbol auf europäischer Ebene dar. Dieses islamische Zentrum vertritt den Standpunkt des Dialoges und lädt alle Menschen zur Rationalität, zum Dialog und zur Reflexion ein. "Meine sehr verehrten Gäste, wir hoffen, dass Sie unsere Rede und unsere Parole weitergeben und verbreiten. Des Weiteren ist es nennenswert, dass seit Kurzem das Buch zur Geschichte des Islamischen Zentrum Hamburg e.V. in Druck gegeben wurde. Dieses Buch spiegelt die Aktivitäten dieses islamischen Zentrums sehr deutlich und konkret wider und wird auch in Kürze ins Deutsche übersetzt."

Nach einer kurzen Einleitung und einigen Grußworten, sowie der Begrüßungsrede von Ayatollah Dr. Ramezani, erhielten die oben erwähnten Gäste die Möglichkeit, ebenfalls ihre Worte an die anwesenden Gäste zu richten.

Zunächst ergriff Frau Bischöfin Kirsten Fehrs das Wort.

Nach einleitenden Gruß- und Dankesworten, fuhr sie folgendermaßen fort: „Es ist ein freudiger Anlass, zu dem Sie sich heute hier versammeln, (...) vorgestern haben Sie das große Fest Eid-ul-Fitr gefeiert (...) und nun können wir gemeinsam, Muslime und Nicht-Muslime, heute Abend an diesem Freudenfest teilnehmen. Vielen Dank.“

Weiterhin betonte Sie die Wichtigkeit solcher Veranstaltungen als Zeichen des Zusammenhalts besonders in diesen von Kriegen und Krisen geplagten Zeiten:

„Gerade in solchen Zeiten müssen wir der Welt erst recht das Friedenszeugnis der Religionen bringen. Insbesondere auch deswegen, weil gerade jetzt die Friedensfähigkeit der Religionen hinterfragt wird. (...) Religionen werden viel zu oft nicht mehr als Kraft der Versöhnung und Quelle der Hoffnung, sondern als Ursache des Unfriedens dargestellt. Und diese Anfragen (...) müssen wir als religiöse Menschen ernst nehmen, aber auch engagiert und überzeugend darum werben, dass der Missbrauch und die Instrumentalisierung der Religion nicht ihrem Wesen entspricht. Wir haben dazu eine Pflicht, laut davon zu reden, dass unsere Religionen zur Versöhnung und Frieden beitragen.“

Abschließend bezog sich Frau Fehrs noch auf einige Worte von Ayatollah Dr. Ramezani in dessen Einladung zu dieser Veranstaltung: „Sie, lieber Dr. Ramezani schrieben mir in ihrer Einladung: ,Ich hoffe, dass unsere Bemühungen für mehr Dialog und Verständnis auf Basis von gegenseitigem Respekt und Wertschätzung vom Schöpfer der Welten angenommen werden wird in dieser Welt. Ich bete mit Ihnen, dass diese Hoffnung Frucht trägt.“

Als nächstes richtete Herr Rabbiner Shlomo Bistritzky, Landesrabbiner Hamburgs einige Worte an die Zuhörer.

Zu Beginn wünschte er allen Anwesenden ein gesegnetes Fest, und darüberhinaus Gottes Segen, Frieden und Ruhe. Er fuhr fort und stellte die Frage, welchen Einfluss es auf den Menschen hat, wenn dieser einen ganzen Monat lang fastet. Ob es nur ein Monat ist oder dieser auch einen Einfluss auf das ganze Jahr ausüben kann.

Weiterhin erklärte Rabbiner Shlomo Bistritzky, dass auch im Judentum gefastet wird, insgesamt 6 Tage im Jahr. Das Fasten sei zwar nicht einfach, aber man konzentriere sich auf den Aspekt der Spiritualität. Der wichtigste Tag hierbei sei Jom Kippur, zu deutsch Versöhnungstag. Dabei gibt es drei Säulen des Fastens im Judentum, fuhr er fort: Rückkehr (zu Gott), Gebet und Spenden. Dabei betonte er vor allem den letzten Punkt des Spendens an Bedürftige, Fasten und Spenden seien im Prinzip eine Idee.

„Das Fasten ist nicht allein Fasten, sondern ist verbunden mit Gebet, aber auch mit viel Geben“

Abschließend schloss Rabbiner Shlomo Bistritzky sich seinen beiden Vorrednern, Ayatollah Dr. Ramezani und Bischöfin Kirsten Fehrs an, indem er betonte: Wir möchten Vorbild sein, indem wir uns gegenseitig respektieren und miteinander feiern, die Differenzen vergessen und uns auf die Gemeinsamkeiten konzentrieren.

Die nächste Rednerin war Prof. Dr. Dr. Ina Wunn, die das Fasten aus religionswissenschaftlicher Sicht beleuchtete.

Zunächst berichtete Sie, wie Buddha vor 2500 Jahren fastete und darüber, dass durch das Fasten die Menschheit und die Religion einen großen Schritt Richtung Ethik machte. Desweiteren sprach Sie über die wissenschaftliche Seite des Fastens, indem Sie das griechische Denken, die Naturwissenschaft der Zeit von Aristoteles vorstellte.

„Denn was sagt uns dieses Weltbild, es sagt uns, dass wir durch die Aufnahme der geeigneten Nahrungsmittel, die materiellen Anteile in uns Menschen reduzieren können, zurücklassen können, minimieren können. Unseren materiellen Körper (...) hinter uns lassen können, dann immer mehr Geist zu werden, (...) um uns auf diese Weise Gott, unserem Schöpfer oder aristotelisch ausgedrückt dem unbewegten Beweger nähern zu können. Das ist es, was das Fasten will. Im Fasten befreit sich der Mensch, egal welcher Religion er angehört von der Schwere der Materie und nähert sich über einen gewissen Zeitraum seinem Gott, so weit wie es möglich ist.“

Fasten habe aber auch einen ethischen Aspekt, dadurch, dass wir in der Fastenzeit auf etwas Essentielles wie Nahrung verzichten, verbindet uns das mit den Menschen, die nicht wie wir täglich satt werden. Wir spüren alle, was es heißt Hunger zu haben. Dies erfülle uns einerseits mit Dankbarkeit und andererseits konfrontiere es uns mit der Notwendigkeit von unserem Überfluss anderen Menschen abzugeben.

Zum Schluss sprach Sie noch den sozialen Aspekt des Fastens an, das Gemeinschaftsgefühl, das durch das gemeinsame Fasten und gemeinsame Fastenbrechen erreicht wird.

Der letzte Redner dieses Abends war Herr Sammy Jossifoff. Zu Beginn seiner Rede ging er darauf ein, dass der Name des Schöpfers im Islam und Judentum die gleichen Wurzeln besitzt und auch das Attribut Gottes „Rahman“ in beiden Religionen als barmherzig übersetzt werden kann. Im Zuge dessen ging er noch auf einige weitere Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Weltreligionen ein.

Dann kam er auf das zentrale Thema seiner Rede zu sprechen: das Fasten im Judentum. Im Prinzip ähnelten seine Worte denen seiner Vorredner: Das Fasten soll den Menschen seinem Schöpfer näher bringen und ihn im gleichen Zuge für Wohltätigkeiten gegenüber anderen Menschen sensibilisieren. Ethische, Soziale und spirituelle Aspekte machen das Fasten aus. Auch hier zog er den Vergleich zum Islam.



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