Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 73812
Datum der Veröffentlichung : 4/28/2015 12:17:57 PM
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Islamkunde 143 - Islam und Menschenrechte 19

Wenn ein Mensch aus islamsicher Sicht die göttlichen Gesetze bricht, so entzieht er sich selbst dem Segen und der spirituellen Zuneigung Gottes, wie beispielsweise psychische Ruhe.
Freitagsansprache vom 24. April 2015

von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V.

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Im dritten Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte wird das Recht auf Leben, das Recht auf Freiheit und das Recht auf Sicherheit erwähnt. In der letzten Diskussion wurde angesprochen, dass das Recht auf Leben ein allgemeines Recht für alle Menschen darstellt, worauf auch der Islam besteht. Hier stellt sich aber die Frage, was denn passiert, wenn eine Person einen Menschen tötet und ihm somit das Recht auf Leben und Existenz nimmt. Wie sieht die Strafe für diese Person aus? Reichen einige Jahre Haft aus, beispielsweise fünf bis zehn Jahre? In Bezug auf diese Art Vergeltung gibt es unter den Wissenschaftlern und Theologen unterschiedliche Meinungen. Einige sind der Meinung, dass eine Haftstrafe als Vergeltung ausreicht, andere sind jedoch davon überzeugt, dass die schwerste Vergeltung, also die Todesstrafe, gerecht wäre und einige schlagen weitere Strafen vor.

In diesem Zusammenhang vertritt der Islam die Meinung, solche beabsichtigten Morde zu verhindern. Es ist offensichtlich, dass Mörder auch wieder zur Tötung greifen könnten. Aus diesem Grund bezieht sich die folgende Diskussion über Vergeltung auf kriminelle und gefährliche Menschen, welche die Sicherheit der Gesellschaft bedrohen. Für die Hinterbliebenen des Mordopfers besteht selbstverständlich die Möglichkeit der Vergebung und Begnadigung. Mörder sollten aber aufgrund ihrer Bedrohung für die Gesellschaft keine Sicherheit innerhalb der Gesellschaft empfinden. Durch die strenge Vergeltung bemüht sich der Islam darum, solche Taten zu verhindern und besteht in vielen Versen des heiligen Koran auf das Recht des Menschen auf Leben und dessen Bedeutsamkeit.

Der dritte Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte erwähnt auch das Recht auf Freiheit. Diese Thematik wurde bereits untersucht, daher ist es nur wichtig, anzusprechen, dass der Islam eine zügellose Freiheit für den Menschen als schlecht erachtet, da nicht jede Tat, so fehlgeleitet sie sein kann, zu einem akkuraten und moralisch wertvollen Ergebnis und Verhalten führt. Alle Entscheidungen sollten auf Weisheit basieren. Auch sollte ein Mensch seine Freiheit nicht so ausnutzen, dass die Freiheit eines anderen Menschen eingeschränkt wird.

Aus diesem Grund steht im 29. Artikel der Menschenrechte folgendes: "Jeder ist bei der Ausübung seiner Rechte und Freiheiten nur den Beschränkungen unterworfen, die das Gesetz ausschließlich zu dem Zweck vorsieht, die Anerkennung und Achtung der Rechte und Freiheiten anderer zu sichern und den gerechten Anforderungen der Moral, der

öffentlichen Ordnung und des allgemeinen Wohles in einer demokratischen Gesellschaft zu genügen. Diese Rechte und Freiheiten dürfen in keinem Fall im Widerspruch zu den Zielen und Grundsätzen der Vereinten Nationen ausgeübt werden." Daher wird die Haftstrafe als zulässige Strafe erachtet, um vor gefährlichen Menschen zu schützen. Dementsprechend ist eine zügellose Freiheit an keinem Ort der Welt erwünscht.

Wenn ein Mensch aus islamsicher Sicht die göttlichen Gesetze bricht, so entzieht er sich selbst dem Segen und der spirituellen Zuneigung Gottes, wie beispielsweise psychische Ruhe. Wenn der Mensch nämlich seiner Lust und den sinnlichen Begierden nachgibt und zu Extremen neigt, verliert er seinen Weg zum göttlichen Ziel und der Erlösung. "Was meinst du wohl zu jemandem, der sich als seinen Gott seine Neigung genommen hat, den Allah trotz (seines) Wissens hat in die Irre gehen lassen und dem Er das Gehör und das Herz versiegelt und auf dessen Augenlicht eine Hülle gelegt hat? Wer könnte ihn nach Allah rechtleiten? Bedenkt ihr denn nicht?" (Al-Jathiya | 45: 23). Im Gegensatz dazu bewegt sich ein Mensch, welcher die göttlichen Gebote und moralischen Werte wählt, auf dem Pfad der Wahrhaftigkeit und dem wahren Lebensweg des Menschen.

Somit wird die Verbindung zwischen dem Leben und der Freiheit verdeutlicht, sodass man die wahre und spirituelle Freiheit nur dann erlangt, wenn man sich von den Gelüsten des Lebens löst. Wie auch der edelmütige Prophet folgendes zu den Menschen sagte: "Oh ihr Menschen! Euer Leben ist an eure Taten gebunden, befreit euer Leben also mithilfe der Bitte um Vergebung beim allmächtigen Gott."[1] Mit der Lösung von allen Sünden erlangt der Mensch die vollkommene Freiheit.

Mit dieser Aussage wird auch die Verbindung zwischen dem Leben und der Sicherheit verdeutlicht. Man fühlt sich nämlich nur dann sicher, wenn man innere Ruhe verspürt und diese erlangt man dadurch, dass man sich auf eine starke Stütze verlassen kann. Diese starke Stütze ist aus islamischer Sicht der allmächtige Gott. Wenn der Mensch seine Verbindung zum allmächtigen Gott stärkt, erlangt er die innere Ruhe und Sicherheit. Der Islam spricht aber auch gesellschaftliche Sicherheiten, wie beispielsweise wirtschaftliche, kulturelle, politische und ähnliche Sicherheiten an. Letztendlich sind die Rechte auf Leben, Freiheit und Sicherheit aus islamischer Sicht sehr eng miteinander verknüpft. Ein Mensch kann also sein wahres Leben nicht ohne spirituelle Freiheit und geistige Ruhe erlangen. Die Freiheit wird in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte jedoch nur aus humanistischer Sicht betrachtet und die spirituellen Aspekte werden ignoriert.





[1] Baharolanvar. Bd. 93. Kapitel 46. S. 356. Überlieferung 25. " بحارالانوار "



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