Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 56176
Datum der Veröffentlichung : 7/22/2014 7:48:50 PM
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Islamkunde, Teil 121 – Islam und Scharia (Teil: 15)

Allgemein kann man sagen, dass der Qur’an auf Basis des Nutzens und Schadens der Handlungen und ihren jeweiligen Folgen für die Erhabenheit und Vervollkommnung des Menschen die religionsrechtlichen Gebote erklärt und die verpflichtend gemacht hat.

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Thema: Beziehung zwischen religionsrechtlichen und moralischen Geboten

Einer der Angelegenheiten, die in der islamischen Religion unterstrichen werden, ist die praktische Befolgung und Einhaltung der religionsrechtlichen Gebote, da zum Erblühen der Gaben und Kapazitäten des Menschen zu seiner Vervollkommnung kein anderer Weg besteht außer in der Praktizierung der göttlichen Gebote.

Weiterhin muss man sich an die moralischen Gebote binden, da die religionsrechtlichen Gebote in enger Beziehung zu den moralischen Geboten stehen. Anders ausgedrückt, stehen sie in Wechselbeziehung zueinander und üben einen gegenseitigen Einfluss aufeinander aus. Beispielsweise ist das Fasten ein eindeutiges Gebot im Islam, welches von allen islamischen Rechtsschulen als religiöse Notwendigkeit genannt wird. So steht auch in den Überlieferungen, dass das Fasten als eine Säule der Religion gilt. [1] Dieses göttliche Urteil hat weitreichende Einflüsse auf persönlicher, gesellschaftlicher, weltlicher und jenseitiger Ebene. Einer der Einflüsse, die im heiligen Qur’an genannt werden, ist die Entstehung von Gottesfurcht:

يا أَيُّهَا الَّذينَ آمَنُوا كُتِبَ عَلَيْكُمُ الصِّيامُ كَما كُتِبَ عَلَى الَّذينَ مِنْ قَبْلِكُمْ لَعَلَّكُمْ تَتَّقُون

„O ihr, die ihr glaubt! Das Fasten ist euch vorgeschrieben, so wie es denen vorgeschrieben war, die vor euch waren. Vielleicht werdet ihr (Allah) fürchten.“ [2]

In diesem Vers wird erklärt, dass eine klare Beziehung zwischen dem Fasten und der Gottesfurcht besteht. Durch die Erfüllung des Fastens als göttliches Gebot stärkt der fastende Gläubige seine Gottesfurcht. Die Gottesfurcht wiederum bereitet den Boden für eine erhöhte Ausbeute der Geheimnisse um das Fasten als göttliches Gebot. In anderen Versen wird auf die Beziehung zwischen dem Fasten und dem Dank oder dem Fasten und der Errettung und Rechtleitung hingewiesen, welche jeweils die enge, wechselseitige Beziehung bezeugen.

Hinsichtlich der Beziehung zwischen den religionsrechtlichen und moralischen Geboten gelangt man zur folgenden Wahrheit:

  1. Diese zwei Arten der Gebote stehen in wechselseitiger Beziehung zueinander
  2. In beiden Arten besteht eine dahingehende Verpflichtung und Engagement

Als Ergebnis spielen diese zwei Arten der Gebote in der Glückseligkeit und Vollkommenheit der Menschen eine wichtige Rolle.

Allgemein kann man sagen, dass der Qur’an auf Basis des Nutzens und Schadens der Handlungen und ihren jeweiligen Folgen für die Erhabenheit und Vervollkommnung des Menschen die religionsrechtlichen Gebote erklärt und die verpflichtend gemacht hat. Die Bildung der moralischen Persönlichkeit richtet sich nach der Entsprechung an jenen Geboten. Weiterhin kann man die Behauptung stützen, dass zahlreiche moralische Angelegenheiten Teil der religionsrechtlichen Ziele sind. Die Betrachtung vieler Verse des heiligen Qur’an unterstützen diesen Glauben, wie beispielsweise der zweite Vers der Sura Ma’idah:

 

وَ تَعاوَنُوا عَلَى الْبِرِّ وَ التَّقْوى‏ وَ لا تَعاوَنُوا عَلَى الْإِثْمِ وَ الْعُدْوانِ وَ اتَّقُوا اللَّهَ إِنَّ اللَّهَ شَديدُ الْعِقاب

„Und helft einander in Rechtschaffenheit und Frömmigkeit; doch helft einander nicht in Sünde und Übertretung. Und fürchtet Allah; denn Allah ist streng im Strafen.“

 

 

In diesen Versen besteht keine Trennung zwischen den gottesfürchtigen und moralischen Optionen, so auch in folgendem Vers:

 

إِنَّ اللَّهَ يَأْمُرُ بِالْعَدْلِ وَ الْإِحْسانِ وَ إيتاءِ ذِي الْقُرْبى‏ وَ يَنْهى‏ عَنِ الْفَحْشاءِ وَ الْمُنْكَرِ وَ الْبَغْيِ يَعِظُكُمْ لَعَلَّكُمْ تَذَكَّرُون‏

„Wahrlich, Allah gebietet, gerecht (zu handeln), uneigennützig Gutes zu tun und freigebig gegenüber den Verwandten zu sein; und Er verbietet, was schändlich und abscheulich und gewalttätig ist. Er ermahnt euch; vielleicht werdet ihr die Ermahnung annehmen.“ [3]

 

Wie man sehen kann, befinden sich in diesem Vers die Gerechtigkeit und der freundliche Umgang zu den Verwandten beieinander und der erhabene Gott hat uns beides geboten.

Der Einfluss des Gebets in der Entstehung der moralischen Werte

 

An dieser Stelle ist es angemessen auf die tiefe Beziehung zwischen dem Gebet und zahlreichen moralischen Angelegenheiten hinzuweisen. Zunächst muss erwähnt werden, dass das Gebet Gebote, Gepflogenheiten und Geheimnisse hat, die jeweils zahlreiche zu erörternde Angelegenheiten aufweisen. [4] Wenn man auf die Einflüsse des Gebets blickt, erhält man die wichtige Erkenntnis, dass das Gebet eine sehr wichtige Rolle in der geistigen Erziehung des Menschen spielt und ihn an Gott, dem Erhabenen, nähert. Es hält den Menschen vor unmoralischen Eigenschaften wie der Eifersucht und dem Hochmut fern. Es erhöht die Anwesenheit des Herzens und errettet den Menschen vor den teuflischen Einflüsterungen. Es verstärkt die Demut und Bescheidenheit des Menschen und bringt ihm den geistigen und spirituellen Aufstieg. All diese Effekte wurden in den Versen und Überlieferungen genannt. Als Ergebnis all jener Effekte erhalten wir, dass das Gebet als göttliches Gebot eine wichtige Rolle im Wachstum des Menschen und der Hinwendung zu den moralischen Vorzüglichkeiten sowie dem Schutz vor unmoralischen Eigenschaften spielt.

Weiterhin kann man die Behauptung aufstellen, dass die Moral und die religiösen Werte derart einflussreich in der Kulturschaffung und dem Frieden in der Gesellschaft sowie der Korrektur ihrer Beziehung ist, dass es die Grundlage für die korrekte Umsetzung der religionsrechtlichen Gebote, angefangen von den Gottesdiensten über den Handel bis hin zu gesellschaftlichen Gesetzen, bereitet. In Wahrheit nimmt eine unmoralische Gesellschaft Abstand von ihrer menschlichen Identität und kann keinesfalls ihre Verantwortungen auf richtige Art und Weise erkennen und diesen entsprechen. Aus diesem Grund unterstreicht der heilige Qur’an die Moral genauso wie die Einhaltung der religionsrechtlichen Gebote für einen Muslim, deren Nichtbefolgung er als Hindernis zur Erreichung der Glückseligkeit aufzählt. Genauso wie religionsrechtliche Gebote unterstrichen werden, werden auch moralische Gebote unterstrichen, damit die Gesellschaft in Richtung der Glückseligkeit in richtige Art und Weise schreiten kann und sich vervollkommnen möge.

Die geistigen Angelegenheiten sind weitreichender als die religionsrechtlichen Angelegenheiten, weshalb der Qur’an zur Erreichung einer glückseligen Gesellschaft zusätzlich zur Einhaltung der religionsrechtlichen Gebote, die Einhaltung der moralischen Notwendigkeit fordert. Aus dieser Sicht müssen beide Arten der Gebote befolgt werden, damit man zur Errettung und Rechtleitung gelangt, weshalb es im heiligen Qur’an heißt:

 

هُوَ الَّذي بَعَثَ فِي الْأُمِّيِّينَ رَسُولاً مِنْهُمْ يَتْلُوا عَلَيْهِمْ آياتِهِ وَ يُزَكِّيهِمْ وَ يُعَلِّمُهُمُ الْكِتابَ وَ الْحِكْمَةَ وَ إِنْ كانُوا مِنْ قَبْلُ لَفي‏ ضَلالٍ مُبين

„Er ist es, Der unter den Analphabeten einen Gesandten aus ihrer Mitte erweckt hat, um ihnen Seine Verse zu verlesen und sie zu reinigen und sie die Schrift und die Weisheit zu lehren, obwohl sie sich zuvor in einem offenkundigen Irrtum befanden.“ [5]

 

 

In Wahrheit sieht der heilige Qur’an die Sendung des Propheten (s.) in der Gemeinsamkeit zwischen diesen beiden Arten der Gebote, nämlich der Lehre des Buches und der Weisheit und der Reinigung und (moralische) Veredelung. Diese Veredelung ist es, die den Menschen die Errettung und Rechtleitung bringt:

 

قَدْ أَفْلَحَ مَنْ زَكَّاها

„Erfolgreich ist derjenige, der sie rein hält.“ [6]

 

Genauso führt die Einhaltung der religionsrechtlichen Gebote, die der erhabene Gott und Sein Prophet verkündet haben, zur Glückseligkeit und Rechtleitung der Menschen:

 

مَنْ يُطِعِ اللَّهَ وَ رَسُولَهُ فَقَدْ فازَ فَوْزاً عَظيما

„Und wer Allah und Seinem Gesandten gehorcht, der hat gewiss einen gewaltigen Gewinn erlangt.“ [7] 



[1] Al-Kafi, B. 2, S. 18 بُنِيَ‏ الْإِسْلَامُ‏ عَلَى‏ خَمْسٍ الصَّلَاةِ وَ الزَّكَاةِ وَ الْحَجِّ وَ الصَّوْمِ وَ الْوَلَايَة

[2] Heiliger Qur’an, 2/183

[3] Heiliger Qur’an, 16/90

[4] Hinsichtlich der Gebote des Gebets soll sich an das religiöse Rechtsregelwerk des Marjas gewendet werden. Hinsichtlich der Gepflogenheiten des Gebets und seinen Geheimnissen kann man auf zwei bedeutende Werke Imam Khomeinis (q.) hinweisen, „Die Gepflogenheiten des Gebets“ und „Die Geheimnisse des Gebets“.

[5] Heiliger Qur’an, 62/2

[6] Heiliger Qur’an, 91/9

[7] Heiliger Qur’an, 33/71


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