Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 52810
Datum der Veröffentlichung : 6/5/2014 7:13:27 PM
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Islamkunde, Teil 116 – Islam und Scharia (Teil: 10)

Manche sehen „Recht“ und „Pflicht“ als zwei Seiten einer Münze.[2] Manche Experten und Gelehrte des Islam sind über die Beziehung von Recht und Pflicht der Überzeugung „die Pflicht ist die Entscheidung des Menschen über Tun und Lassen und verhält sich in der Beziehung zum Recht gegensätzlich“.

Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen. Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Zu den wichtigen Themen, die die Scharia aufwirft, gehört der, dass wenn der Muslim seine Verpflichtungen erkannt hat und gemäß diesen handelt, so hat dieser auf gewisse Art und Weise auch ein Recht erfüllt. Mit anderen Worten, entsprechend jeder Verpflichtung, existiert auch ein Recht – die Erwähnung dieses Punktes ist essenziell für die Vervollständigung dieser Erörterung und es ist angebracht die Beziehung zwischen Recht und Pflicht in einem gewissen Maße abzuhandeln.

Es scheint, dass wenn man auf die Bedeutung der zwei Wörter Recht und Pflicht achtet, man zu dem Schluss kommen wird, dass die beiden Wörter selbst in ihrer Bedeutung Gemeinsamkeiten aufweisen; das heißt, um die Bedeutung von „Pflicht“ zu verstehen, benötigt man den Sinn des Wortes „Recht“, sowie umgekehrt für das Verstehen der Bedeutung von „Recht“, ebenfalls die der „Pflicht“. Deswegen betrachten einige die Gemeinsamkeit und den Gegensatz zwischen Recht und Pflicht, wie den Gegensatz und die Gemeinsamkeit, die zwischen Vater und Kind existiert; sprich, dass ein Kind, ohne die Existenz eines Vaters keinen Sinn macht – so verhält es sich auch mit dem Recht und der Pflicht.[1]

Manche sehen „Recht“ und „Pflicht“ als zwei Seiten einer Münze.[2] Manche Experten und Gelehrte des Islam sind über die Beziehung von Recht und Pflicht der Überzeugung „die Pflicht ist die Entscheidung des Menschen über Tun und Lassen und verhält sich in der Beziehung zum Recht gegensätzlich“. Mit anderen Worten, jede Pflicht setzt ein Recht voraus und jedes Recht eine Pflicht – mit dem Unterschied, dass man gemäß dem Sinn des Rechts, die Möglichkeit hat davon nutzen zu ziehen oder darauf zu verzichten und der Besitzer des Rechts Entscheidungsfreiheit darüber hat, während es sich bei der Pflicht nicht so verhält. Obwohl im Bereich der Taten der Mensch befähigt ist, den Pflichten nicht nachzukommen.[3]

Und an andere Stelle, wird angedeutet, dass „jede Pflicht in den gesetzlichen Verordnungen, von einem Recht begleitet wird, welches für andere Personen vorgesehen ist und mit jedem Recht geht eine Pflicht für andere einher, daher sagen wir: Recht und Pflicht. Zwei voneinander abhängige Begriffe oder anders gesagt, die zwei Seiten ein und derselben Münze. Wenn wir also sagen, jemand hat das Anrecht auf eine gewisse Sache, so ist es die Pflicht der Anderen, sein Recht zu respektieren.“[4]

Was dabei aus der Sicht der islamischen Scharia dringend zu beachten ist, ist, dass die Rechte und die Pflichten der Menschen eng einhergehen, in einer Art, dass man diese beiden nicht voneinander trennen kann. Diese Angelegenheit gehört zu den wichtigen Problemen, deren Dimension man größere Beachtung schenken sollte, denn in der heutigen Zeit wird man Zeuge davon, dass Einige unter dem Vorwand des Rechts auf Freiheit - und dies mit einem falschen und fehlerhaften Verständnis – ihre Verantwortungen und Pflichten mit Füßen treten, wobei überall wo ein Recht existiert, mit Sicherheit auch eine angemessene Pflicht dafür vorhanden ist.

Zum Beispiel, wenn das Recht auf Freiheit des Menschen akzeptiert wurde, so wurde dieses Recht in Anbetracht der Würde des Menschen und seiner Umwelt definiert und darüber hinaus muss die eigene Menschenwürde und die Rechte, die für das Leben anderer definiert wurden, erhalten werden. Es ist nicht so, dass nur weil man das Recht auf Freiheit genießt, man auf alles, was dem eigenen Willen und den Neigungen des eigenen Egos entspricht, auf jedem beliebigen Wege, zugreifen kann. Aus diesem Grund ist es, dass die islamische Scharia für alle Rechte und Pflichten eine Gesetzgebung mit bestimmten Bedingungen vorgesehen hat, so dass die Menschen mit der Nutzung ihrer eigenen Rechte und den Verantwortungen, die ihnen auferlegt worden sind, die Glückseligkeit und das vollendete Ideal erreichen.

Jedoch ist die Beachtung des folgenden Punktes erforderlich, dass das in die Praxis umgesetzte Achtgeben auf die Beziehung zwischen Recht und Pflicht dann seine korrekte Verwirklichung findet, wenn die Menschen sich bemühen auf der Grundlage von Gerechtigkeit und Weisheit zu handeln und es in Wahrheit anstreben, dass alle Menschen ihre Rechte verwirklichen. Aber in Gesellschaften die auf der Basis von Unterdrückung und Macht beabsichtigen die Menschen in der Gesellschaft zu kolonialisieren und auszubeuten, so betrachtet man dort das Recht als etwas exklusives für sich selbst und verletzt mit Leichtigkeit die Rechte anderer. So ist die Sicht Amir al-Muminins (a) (des Fürsten der Gläubigen) bezüglich der Beziehung zwischen Recht und Pflicht folgende, dass sowohl im Sinn, als auch darüber hinaus, die Umsetzung des Einen ohne das Andere nicht möglich ist, dahingehend sagte er:

 فَقَدْ جَعَلَ اللَّهُ سُبْحَانَهُ لِي عَلَيْكُمْ حَقّاً بِوِلَايَةِ أَمْرِكُمْ وَ لَكُمْ عَلَيَّ مِنَ الْحَقِّ مِثْلُ الَّذِي لِي عَلَيْكُمْ- [وَ الْحَقُ‏]
 فَالْحَقُّ أَوْسَعُ الْأَشْيَاءِ فِي‏  التَّوَاصُفِ وَ أَضْيَقُهَا فِي التَّنَاصُفِ لَا يَجْرِي لِأَحَدٍ إِلَّا جَرَى عَلَيْهِ وَ لَا يَجْرِي عَلَيْهِ إِلَّا جَرَى لَهُ وَ لَوْ كَانَ لِأَحَدٍ أَنْ يَجْرِيَ لَهُ وَ لَا يَجْرِيَ عَلَيْهِ لَكَانَ ذَلِكَ خَالِصاً لِلَّهِ سُبْحَانَهُ دُونَ خَلْقِهِ لِقُدْرَتِهِ عَلَى عِبَادِهِ وَ لِعَدْلِهِ فِي كُلِّ مَا جَرَتْ عَلَيْهِ صُرُوفُ قَضَائِه‏... »[5]

„Lobpreisung gebührt Gott, dem Gepriesenen – Gott hat mir ein Recht über euch in Bezug auf die Verwaltung der Regierung gegeben, und er hat auch für euch - wie für mich - ein Recht festgesetzt. Somit ist dieses Recht viel größer, als dass man es beschreiben kann, hingegen hat es in Bezug auf die Tat eine beispiellose Genauigkeit! Wenn zum Vorteil einer Person (fälschlicherweise) Recht gesprochen wird, so wirkt sich dieses eines Tages unweigerlich zu seinem Nachteil aus und da es zum Nachteil eines anderen gesprochen wurde, so wird es sich zwangsläufig eines Tages zu seinem Guten auswirken.“

Und wenn es so sein sollte, dass jemanden ein Recht zuteil wird, ohne einen Schaden zu hinterlassen, so ist dies speziell vom gepriesenen Gott und nicht von den anderen Geschöpfen, aufgrund der göttlichen Macht über seine Diener und seiner Gerechtigkeit über alles Existierende, welche seinen Anordnungen unterliegen.

Wenn die Menschen, sowie die Staatsmänner ihre gegenseitigen Rechte einhalten, dass das Volk den Rechten der Führung nachkommt und der Führer den Menschen ihre Rechte gibt, so wird in jener Gesellschaft das Recht höchste Achtung finden und revolutionäre Dinge werden auf die Beine gestellt werden. Sobald die Methoden und Merkmale der Gerechtigkeit angewendet werden, so wie die Tradition des Propheten (s) fortlebt, so wird sich auch die Situation der Menschen verbessern. In der Summe der angesprochenen Themen, kommt man zu dem Ergebnis, dass man im öffentlichen Leben Zeuge eines gegensätzlichen Wirkens von Recht und Pflicht wird und diese Verteilung auf Regierung und Volk nicht stattfindet, so sagte Amir al-Muminin (a) an andere Stelle:


مِنْ حُقُوقِهِ حُقُوقاً افْتَرَضَهَا لِبَعْضِ النَّاسِ عَلَى بَعْضٍ فَجَعَلَهَا تَتَكَافَأُ فِي وُجُوهِهَا وَ يُوجِبُ بَعْضُهَا بَعْضاً وَ لَا يُسْتَوْجَبُ بَعْضُهَا إِلَّا بِبَعْضٍ

„Der gepriesene Gott hat manche seiner Rechte, für einige zur Pflicht gemacht und er hat jene Rechte als ebenbürtig festgelegt, sodass manche Rechte, wiederum andere zur Pflicht werden lassen – und niemanden wird ein Recht zugesprochen, außer er lässt jenes Recht auch selbst walten.“[6] Der allmächtige Gott hat für die Gesellschaft Rechte vorausgesetzt, die miteinander im Gleichgewicht und in starker Verbindung stehen – und jedes dieser Rechte, bringt andere hervor und keins davon wird ohne das Andere zur Pflicht.



[1] محمد علی موحد، در هوای حق و عدالت، ص: 35.

[2] محمد جعفر لنگرودی، مبسوط در ترمینولوژی حقوق، ص: 1403.

[3] آیة الله علامه جوادی آملی، فلسفه و حقوق بشر، 75ـ 76.

[4] فلسفه حقوق، ص: 24.

[5].  نهج البلاغه، خطبه 216.

[6] همان


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