Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 42703
Datum der Veröffentlichung : 1/16/2014 10:18:00 PM
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Islamkunde 98 – Frieden und Sicherheit 5 Redner: Ayatollah Dr. Reza Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V.

In den vorigen Sitzungen wurde erwähnt, dass die Sicherheit im Islam in all seinen Facetten behandelt wird

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

In den vorigen Sitzungen wurde erwähnt, dass die Sicherheit im Islam in all seinen Facetten behandelt wird. Unter diesem Aspekt ist es wichtig auch die Arten der Sicherheit aufzuführen: Die Sicherheit für das Leben stellt einen der wichtigsten Arten der Sicherheit dar, welches nicht nur im Islam unterstrichen wird, sondern in allen göttlichen Religionen von großer Bedeutung ist. Das Leben eines jeden Menschen muss geachtet werden. Die Respektlosigkeit gegenüber den Menschenleben und die Tötung von Menschen ist derart obszön und verwerflich, dass sogar als Qabil seinen eigenen Bruder aufgrund von Eifersucht tötete, er die Hässlichkeit seiner Tat nachvollzog und bestrebt war sich wieder reinzuwaschen. Diese Geschichte ist aufgrund ihrer Wichtigkeit ausführlich im heiligen Qur’an festgehalten worden.[1]

 

Aus den entsprechenden Versen erhalten wir, dass Qabil eine solche Tat als eine Handlung betrachtet, die den göttlichen Zorn mit sich führt. Das Töten eines Menschen wird als große Sünde gezählt und führt dazu, dass jeder, der diese hässliche Handlung begeht, Höllenqualen leiden muss. Auf Basis dessen berichtet der Qur’an nach der Erzählung dieser Geschichte:

 

مِنْ أَجْلِ ذلِكَ كَتَبْنا عَلى‏ بَني‏ إِسْرائيلَ أَنَّهُ مَنْ قَتَلَ نَفْساً بِغَيْرِ نَفْسٍ أَوْ فَسادٍ فِي الْأَرْضِ فَكَأَنَّما قَتَلَ النَّاسَ جَميعاً وَ مَنْ أَحْياها فَكَأَنَّما أَحْيَا النَّاسَ جَميعاً وَ لَقَدْ جاءَتْهُمْ رُسُلُنا بِالْبَيِّناتِ ثُمَّ إِنَّ كَثيراً مِنْهُمْ بَعْدَ ذلِكَ فِي الْأَرْضِ لَمُسْرِفُون

 

"Deshalb haben Wir den Kindern Israels verordnet, dass, wenn jemand einen Menschen tötet, ohne dass dieser einen Mord begangen hätte, oder ohne dass ein Unheil im Lande geschehen wäre, es so sein soll, als hätte er die ganze Menschheit getötet; und wenn jemand einem Menschen das Leben erhält, es so sein soll, als hätte er der ganzen Menschheit das Leben erhalten. Und Unsere Gesandten kamen mit deutlichen Zeichen zu ihnen; dennoch, selbst danach begingen viele von ihnen Ausschreitungen im Land.“ [2]

 

Es ist deutlich, dass der Wert des Menschen nach der Meinung des Qur’an von derartiger Bedeutung ist, dass wenn eine Person einen Menschen tötet, es der Missachtung der Würde der Menschheit gleicht und diese bricht. Somit weist der Vers auf den Aspekt des Wertes hin und nicht auf den rechtlichen Aspekt. Es hat nicht die Bedeutung, dass aufgrund der Tötung eines Menschen alle Menschen sterben müssen, sondern dass der Vers bestrebt ist das wichtige Thema zu erklären, dass die Seelen, das Blut und die Leben der Menschen, nach Meinung des Qur’an und der göttlichen Bestimmung, von immenser Bedeutung sind. Allerdings ist dieser Schutz der menschlichen Würde nur unter der Bedingung möglich, dass der Mensch auf der Erde nicht nach Unheil und Verbrechen strebt und andere ärgert und quält.

 

Auf Basis dessen müssen die Regierungen zum Schutz und der Bereitstellung der Sicherheit der Bürger die notwendigen Schritte einleiten. Bei der Umsetzung der Gesetze bezüglich dem Schutz des menschlichen Lebens müssen sie mit großer Entschlossenheit vorgehen und durch die Anwendung der entsprechenden Gesetze müssen die Elemente, die für Unsicherheit in der Gesellschaft sorgen, neutralisiert werden.

 

Ein anderer Aspekt der Sicherheit der Menschen stellt die Sicherheit der Ehre dar. Die Ehre, das Ansehen und die Würde des Menschen müssen in Sicherheit bleiben. Der Islam verleiht dem Menschen dahingehend durch seine Bezeichnung als Geschöpf Gottes, achtung. Dem Menschen wurde göttliches anvertraut und er hat in der Schöpfung eine besondere Stellung. Auf Basis der göttlichen Weisheit wurde er für eine wichtige Sache erschaffen und aufgrund dessen ist seine Ehre höher als die der Kaaba, die der Stützpunkt und die Gebetsrichtung aller Muslime ist. Sie darf keineswegs verletzt werden und auf Basis dessen gehört der Schutz der Stellung und Bewahrung des Gesichts zu den Bittgebeten der Menschen an den erhabenen Gott. Im Bittgebet von Arafat steht geschrieben:

 

وَ لَكَ يَا رَبِّ فِي نَفْسِي فَذَلِّلْنِي وَ فِي أَعْيُنِ النَّاسِ فَعَظِّمْنِي[3]

 

Die Achtung des Menschen, speziell des Gläubigen hat beim erhabenen Gott eine derart hohe Bedeutung, dass Er es niemandem gestattet auch nur für einen Augenblick das Ansehen des Gläubigen zu beschädigen, selbst wenn er einen Fehler von ihm gesehen hat, so muss dennoch seine Achtung gewahrt bleiben.

 

 

Von Imam Baqir (a.) wird in dieser Hinsicht überliefert:

 

يَجِبُ لِلْمُؤْمِنِ عَلَى الْمُؤْمِنِ أَنْ يَسْتُرَ عَلَيْهِ سَبْعِينَ كَبِيرَةً

 

„Für einen Gläubigen ist es erforderlich, dass er für einen anderen Gläubigen siebzig große Sünden verdeckt.“[4]

 

Was wir aus dieser gesegneten Überlieferung erhalten, ist dass wenn jemand über eine Sünde von einem anderen Kenntnis besitzt, er dieses nicht an andere weiterleiten darf. In einer anderen Überlieferung steht geschrieben, dass jeder, der über eine begangene Sünde eines Gläubigen Bescheid weiß und dies anschließend veröffentlicht und nicht geheim hält und bei Gott nicht um Vergebung für ihn bittet, so steht er bei Ihm wie der Sündige dar und das Ergebnis der Sünde wird auf ihm liegen.[5]

 

Die Bedeutung des Ansehens liegt dahingehend begründet, dass der Charakter im Laufe der Zeit durch Mühe und Anstrengung entstanden ist und keinen Schaden nehmen darf. Deshalb legt der Islam nicht nur auf die physische Sicherheit des Menschen Wert, sondern auch die gesellschaftliche und charakterliche Ebene des Menschen wird bedeutend unterstrichen. In diesem Lichte ist sowohl der physische Terror, als auch der Terror bezogen auf den Charakter im Islam verboten. Die Bürgerrechte gelten nicht nur für die Rechte bezogen auf das physische Leben, sondern auch sind das Ansehen, die Würde und Ehre der Menschen zu schützen. In diesem Bereich wird eine Überlieferung von Imam Sadiq (a.) erzählt, welcher vom Propheten (s.) berichtet:

 

الْمُؤْمِنُ حَرَامٌ كُلُّهُ عِرْضُهُ وَ مَالُهُ وَ دَمُهُ

 

„Vom Gläubigen darf nichts angegriffen werden; sein Ansehen, Vermögen und Leben.“[6]

 

Somit ist die Sicherheit der Ehre, wie auch die Sicherheit des Lebens aus islamischer Sicht von immenser Bedeutung und keinesfalls hat irgendjemand die Erlaubnis dieses eindeutige Recht mit Füßen zu treten.



[1] Heiliger Qur’an, 5/27-31

[2] Heiliger Qur’an, 5/32

[3] Bihar ul-Anwar, B. 87, S. 3

[4] Al-Kafi, B. 2, S. 207

[5] «مَنِ اطَّلَعَ مِنْ مُؤْمِنٍ عَلَى ذَنْبٍ أَوْ سَيِّئَةٍ فَأَفْشَى ذَلِكَ عَلَيْهِ وَ لَمْ يَكْتُمْهَا وَ لَمْ يَسْتَغْفِرِ اللَّهَ لَهُ كَانَ عِنْدَ اللَّهِ كَعَامِلِهَا وَ عَلَيْهِ وِزْرُ ذَلِكَ الَّذِي أَفْشَاهُ عَلَيْهِ... .»(نوری، میرزا حسین، مستدرك‏ الوسائل، ج 9، 137- باب تحريم إذاعة سر المؤمن و...، ص 134، ح 10471- 6.)

[6] نوری، میرزا حسین، مستدرك‏ الوسائل، ج 9، 138- باب تحريم سب المؤمن و عرضه و...، ص 136، ح 10478- 1.


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