Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 42676
Datum der Veröffentlichung : 1/16/2014 8:26:00 PM
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Islamkunde 67 - Islam und Freiheit 18 Redner: Ayatollah Dr. Reza Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg

Die Glaubensfreiheit ist ein sehr wichtiges Thema, worüber heute noch oft diskutiert wird.

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.
 
Die Glaubensfreiheit ist ein sehr wichtiges Thema, worüber heute noch oft diskutiert wird. Wir wollen herausfinden, was der Heilige Qur’an zu diesem Thema sagt. Dürfen die Menschen glauben, was sie wollen? Ist es ihnen gar gestattet, ein Leben ohne einen Glauben und einer Überzeugung zu führen?
 
Laut den Versen des Qur’an sind die Menschen frei in ihrer Wahl. Sie können ihren Glauben selbst auswählen, und können dazu nicht gezwungen werden, denn der Glaube ist eine Angelegenheit des Herzens.
 
„Hätte Gott es gewollt, wären alle Menschen auf der Erde gläubig geworden. Möchtest du etwa die Menschen zum Glauben zwingen?“ (10:99)
 
„Wenn Gott wollte, hätte Er sie alle zum Glauben gezwungen (aber jeder soll sich freien Willens für den Glauben entscheiden).“ (6:35)
 
Es gibt noch mehr Qur’an-Verse, die die Tatsache unterstreichen, dass es keinen Zwang im Glauben geben kann, und es war auch nicht Gottes Absicht für die Schöpfung, dass den Menschen diese Wahl genommen wird.
 
Es ist den Menschen überlassen, sich verschiedene Überzeugungen anzueignen, und erst durch die freie Wahl, durch die richtigen und falschen Entscheidungen, bekommen Paradies und Hölle eine Bedeutung. Wenn alle Menschen dazu gezwungen wären, richtig zu denken und dem richtigen Glauben nachzugehen, dann hätten Glaube und Unglaube, Tugend und Gemeinheit, Gut und Schlecht, … auch keine Bedeutung mehr.
 
Imam Reza (a.s.) berichtet: „Einst kam eine Gruppe von Muslimen zum Propheten Muhammad (s.a.) und fragten ihn, warum er jene Menschen, die er durch seine Macht dazu zwingen könnte, nicht zwanghaft zum Islam konvertiert, damit die Muslime mächtiger werden und ihre Feinde besiegen können. Der Prophet antwortete ihnen, dass er es nicht ertragen könnte, seinem Herrn zu begegnen, während er Ketzerei beging und etwas in die eigene Hand nahm, wozu er nicht beauftragt wurde. Er könne hier keinen Zwang ausüben, weil Gott diesen Vers (10:100) offenbart hat.“[1]
 
„Keiner würde ohne Gottes Erlaubnis glauben können. Die schmachvolle Strafe gilt nur den Ungläubigen, die sich des Verstandes nicht bedienen.“ (10:100)
 
Überdies gibt es einen Qur’an-Vers, der klarer und eindeutiger als alle anderen Verse besagt, dass es keinen Zwang in der Wahl des Islam als Glauben gibt: Es gibt keinen Zwang im Glauben. Der richtige Weg ist nun klar erkennbar geworden gegenüber dem unrichtigen. (2:256)
 
Es wird überliefert, dass dieser Vers offenbart worden ist, als einer der Gefährten des Propheten seinen Diener dazu zwingen wollte, den Islam anzunehmen. Als der Prophet dies erfuhr, rezitierte er diesen Vers und sagte, dass es keinen Zwang in der Religion gibt und man niemanden dazu zwingen kann, den islamischen Glauben anzunehmen.
 
Allama Tabatabai schreibt in seiner berühmten Qur’an-Exegese (Tafsir al-Mizan) über den Vers 2:256 „Der Glaube ist eine Angelegenheit des Herzens, und kennt keinen Zwang. Mit dem nachfolgenden Satz, nämlich dass sich der rechte Pfad ganz klar vom Irrweg unterscheidet, wird der erste Satz begründet. Es gibt also keinen Zwang in der Religion, und der Grund dafür ist, dass Zwang dann eingesetzt wird, wenn eine Person mit einer höheren und mächtigeren Position, seinem Untergeordneten etwas nicht verständlich machen kann und ihn demnach dazu zwingt, ihn nachzuahmen. Wichtige Dinge aber, bei denen Gut und Schlecht ganz klar vorgegeben sind, bedürfen keinem Zwang. Der Mensch selbst wählt das Gute oder das Schlechte, und erkennt dann auch die Konsequenzen an. So ist es auch mit dem Annehmen eines Glaubens.“
 
Dieser Vers will aber auch jenen Antworten, die dem Islam vorwerfen, eine Religion des Schwerts zu sein, und sich den Weltbewohnern aufzwingen zu wollen. Er besagt ganz klar, dass ein aufgezwungener Glaube keinen Wert besitzt, weil der Glaube prinzipiell etwas ist, was vom Menschen selbst und von seiner Seele hervorgeht und nicht etwas, was von außen, etwa durch ein Schwert, erzwungen werden kann.
 
Der Mensch kann also – aufgrund seiner Natur – glauben oder nicht glauben. Gott sagt, ganz klar und verständlich: „Und sag: Es ist die Wahrheit die von eurem Herrn kommt. Wer nun will, möge glauben, und wer will, möge nicht glauben! Für die Frevler haben wir im Jenseits ein Feuer bereit, das sie (dann) mit seinen Flammen vollständig einschließt.“ (18:29)


[1] Dschame-Exegese über die Sure Yunus, Vers 99-100


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