Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 42674
Datum der Veröffentlichung : 1/16/2014 8:14:00 PM
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Islamkunde 65 – Islam und Freiheit 16 Redner: Ayatollah Dr. Reza Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg

Die Qur’an-Verse, die sich mit der Gedankenfreiheit befassen, fordern die Menschheit ernsthaft dazu auf, selbst zu denken, um die Wahrheit der Dinge zu erfassen. So ist jeder Mensch frei

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.
 
Die Qur’an-Verse, die sich mit der Gedankenfreiheit befassen, fordern die Menschheit ernsthaft dazu auf, selbst zu denken, um die Wahrheit der Dinge zu erfassen. So ist jeder Mensch frei, diesen Aspekt seines Wesens zu nutzen und sie als eine wertvolle Gabe zu betrachten. Der Qur’an rügt Menschen, die nicht denken, und sagt wiederholt „Warum überlegt ihr nicht“ oder „Warum denkt ihr nicht“. Er wirft es der Menschheit auch vor, blind ihre Vorfahren nachzuahmen, sich dadurch zu verirren und ihr Leben ins Elend zu steuern.
 
Im Qur’an gibt es mehrere Verse, die ähnliches beinhalten, und all diese Verse bezeugen, dass der Mensch, wenn er die Wahrheit sucht, seinen Intellekt benutzen soll um sie zu finden. Der Islam ragt dadurch heraus, dass er das freie Denken betont und nicht darüber besorgt ist, wenn die Menschen für sich selbst denken. Die Wahrheit des Islam strahlt durch die Nutzung des Intellekts heller, und beleuchtet den Pfad zur Erlösung. Der Islam respektiert jene, die durch Nachdenken und Überlegung die Wahrheit suchen. Wichtig ist aber, dass der Islam zwar das Nachdenken betont und ihr freien Lauf lässt, aber dabei auch festhält, dass der Mensch, wenn er Glückseligkeit erlangen will, keine falschen Gedankengänge verfolgen soll.
Gelangt der Mensch erst einmal auf den falschen Pfad, erreicht er nichts anderes als den Abgrund und seinen Untergang. Sofern der Mensch falsche Gedanken aber nicht in Taten umsetzt, sind die Folgen nicht so schwer. Handelt er jedoch danach, korrumpiert er sich selbst und stürzt sich in Elend, und er zieht auch andere mit sich hinunter. Er wird bestraft wie jemand, der Gesetzeswidrig gehandelt hat.
 
Man beachte, dass jemand, wenn er darauf besteht, bis an sein Lebensende falschen Gedanken nachzugehen, nicht dazu gezwungen werden kann, um zu denken. Er kann aber auch nicht erwarten, am Tage der Auferstehung an den unzähligen, göttlichen Gaben Teil zu haben und Zutritt ins Paradies zu erlangen. Beachtet man die Verse, die die Menschen dazu auffordern, richtige Gedankengänge zu pflegen und ihn davor abmahnen, falschen Gedanken nachzugehen, sieht man, dass der Mensch frei gelassen wurde, zu denken was er will.
 
Doch nicht jeder Gedanke führt ihn zur Glückseligkeit, so zeigt der Islam dem Menschen auch die richtigen Gedankengänge. Werden diese in Taten umgesetzt, erlangt der Mensch die Glückseligkeit sowohl im irdischen Leben, als auch im Jenseits. Beschließt jemand, den Pfad der falschen Gedanken entlang zu laufen, wird er vor den Konsequenzen gewarnt, doch es steht niemandem zu, ihn aufzuhalten und ihm seine Freiheit zu nehmen. Was er wissen muss ist, dass er sich am Tag der Auferstehung für alles, was er getan hat, verantworten muss und auch in seinem irdischen Leben nicht viel Glückseligkeit erlangen wird.
 
Eine Person, die selbst den Pfad der Korruption gewählt hat und auch andere Menschen dort hin leiten will, begeht ein Verbrechen gegen seine Gesellschaft und wird entsprechend bestraft. Der Qur‘an wendet sich an die Heuchler und Frevler, die Gott gegenüber skeptisch sind und warnt sie: „Er wird die Heuchler und die Heuchlerinnen und die Götzendiener und die Götzendienerinnen, die schlimme Mutmaßungen über Gott anstellen, qualvoll bestrafen. Sie allein wird das schlimme Unheil treffen. Gott zürnt ihnen, verflucht sie und hält die Hölle für sie bereit. Welch schlimmes Ende! (48:6)
 
 
 
Bezieht sich der Mensch nur aufs Äußere und fixiert er sich auf Oberflächlichkeit, bringen ihm seine Gedankengänge nichts, weil sie hohl sind. Gott mahnt ihn, und versucht ihn rechtzuleiten. Er erinnert ihn an die negativen Folgen seiner Gedankengänge. Nimmt seine Denkweise aber eine gesellschaftliche Form an und bringt seine Mitmenschen vom richtigen Pfad ab, ist es ein Verbrechen und wird entsprechend geahndet. Der Islam akzeptiert nicht die Folgen eines jeden Gedankenganges, weil der Mensch sich oft mit unwahren Ideen beschäftigt, die ihn oft in die Irre führen. Diesen Gedankengängen schreibt der Islam keinerlei Gültigkeit zu.
 
Jeden beliebigen Gedankengang zu verfolgen und zu praktizieren ist aus islamischer Sicht nicht zulässig. Der Grad der Freiheit hängt laut Islam von den Folgen ab. Solange es nur um die Person selbst geht und sie sich nur selbst schadet, erlaubt der Islam keinen Eingriff und es steht der Person frei, zu denken, was sie will. Wenn jemand aber der Gesellschaft schadet, begeht er ein Verbrechen und wird vom Gesetz davon abgehalten. Menschen, die die Empfehlungen und Anweisungen des Qur‘an und des Propheten nicht befolgen, werden kein gutes Ende erfahren, wenn sie bis an ihr Lebensende auf ihre ungültigen Gedanken bestehen. Wenn sie aber zurückkehren, wird ihnen die göttliche Gnade und Barmherzigkeit zuteil.
 
Es muss zusätzlich erwähnt werden, dass ein Mensch im Jenseits keine Strafe erlebt, wenn er von seinem ungültigen Gedanken vollkommen überzeugt ist. Vielmehr zählt er zu jenen, denen Unrecht wiederfahren ist, und es wird erhofft, dass Gott auch ihnen gegenüber gnädig ist. Gedankengänge jedoch, die nur auf Versuchungen und Wollust basieren, besitzen keine Gültigkeit und verdienen keinen Respekt. Der Qur’an ruft die Menschen zur Gottesfurcht auf, damit sie den verschiedenen Versuchungen nicht verfallen. Die Gottesfurcht ist es nämlich, die zwischen wahren und unwahren Gedankengängen unterscheiden kann.
 
Der Qur‘an sagt: „Sie folgen einem bloßen Wahn und dem Wunsche (ihres) Ichs, obwohl doch Weisung von ihrem Herrn zu ihnen kam.“ (53:23)


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